Die Themen des Monats: 1. Gesetzliche Rente - und wie man Sand in die Augen streut 2. FINANZTEST muß Lebensversicherungstest berichtigen 3. Vorsorge bei Frauen und Frauenfeindlichkeit? 4. Geschlossene Fonds und wenig gute Nachrichten 5. Fremdfinanzierte Renten mit unkalkulierbaren Risiken 6. Orbitex und wie man Fonds schließt 7. Und dann war da noch...
------------------------------------------------------------------------------- 1. Gesetzliche Rente - und wie man Sand in die Augen streut Daß die Gesetzliche Rentenversicherung allein für einen sorgenfreien Lebensabend nicht ausreicht, weiß mittlerweile nun wirklich jeder. Ohne Private Vorsorge sind drastische Einschränkungen im Lebensstandard ab Alter 65 Jahre nötig. Langsam scheinen auch die
Politiker einzusehen, daß man die Bürgern offen über die Kürzungen der Gesetzlichen Renten informieren sollte. Erster Ansatz: Die Riester-Rente, dieses bürokratisierte und kostentreibende Monstrum, das den Einstieg in die Kapitalgedeckte Altersrente darstellen und die neuen Lücken aufgrund der Rentenkürzung (genannt Rentenreform) des Jahres 2001
ausgleichen soll. Zweiter Ansatz: Aufklärung über die tatsächlichen Ansprüche aus der Gesetzlichen Rentenkasse. Ein absolut sinnvoller und überfälliger Schritt! Künftig soll jeder Versicherte jährlich über seine
Ansprüche aus der Gesetzlichen Rentenkasse informiert werden. Damit wird endlich der abstrakte Begriff des ohnehin nicht fassbaren "Eckrentners" mit einem noch weniger fassbaren Prozentsatz durch konkrete Beträge in EURO und Cent ersetzt. Die Rentenversicherungsträger - also vor allem BfA und LVAn - sind von diesem Gedanken so begeistert, daß
sie bereits im Juni diesen Jahres die ersten Renteninformationen verschicken wollen. Doch diese Ankündigung schien zu einem größeren Schock beim verantwortlichen Bundesarbeitsminister, Ex-Gewerkschaftsboß Walter Riester, geführt zu haben. Stehen nicht in vier Monaten Bundestagswahlen bevor? Und hat nicht die Opposition in der Wählergunst stark aufgeholt?
Und in diesem Umfeld soll man nun den Bürgern offen sagen, daß für die meisten die Altersrente unter EUR 1.000,- pro Monat liegen wird? Sofort wurde gehandelt: Wie laut Süddeutscher Zeitung interne Schreiben der Rentenversicherungsträger belegen, sollen vor dem 22. September (also den Wahlen) die Renteninformationen nur an Personen unter 45 Jahren gehen.
Also nur an diejenigen, für die die Rente noch weit genug entfernt und damit kein Wahlthema ist. Und Offenheit scheint sich durchzusetzen: Das Ministerium bestreitet dieses Vorgehen gar nicht. Man wolle halt die jüngere Generation vorrangig informieren, damit diese Zeit genug zur privaten Vorsorge hat. Daß es gerade für Personen ab 45 noch wichtiger ist, schnell eine zusätzliche Private Vorsorge einzurichten, scheint den um ihre geschätzten Wähler besorgten Politikern dezent entgangen zu sein. Wenigstens spricht das VDR-Rechenzentrum (VDR = Verband Deutscher
Rentenversicherungsträger) Würzburg offen darüber, warum bis zum Herbst nur Jüngere über ihre Rente informiert werden sollen: "Grund ist, daß bei älteren Jahrgängen wegen eventuell zu gering ermittelter Rentenbeträge eine Auswirkung auf das Wahlverhalten nicht ausgeschlossen werden kann." Schön, daß wir mittlerweile offen miteinander kommunizieren!
Schade, daß man ab 46 zu alt für die Wahrheit ist! 2. FINANZTEST muß Lebensversicherungstest berichtigen In unserer letzten Ausgabe http://www.afw-gmbh.de/archiv/aktuell2002/200203/200203.html haben wir uns ausführlich mit den Unzulänglichkeiten des von Fachwissen weitgehend unbelasteten Tests der Lebensversicherungen durch die Zeitschrift FINANZTEST auseinander gesetzt.
Und schon mußte die Stiftung die ersten Ergebnisse widerrufen. So wurden unrichtige Angaben zu den Bewertungsreserven der Bayerischen Beamten Lebensversicherung gemacht, die Geschäftszahlen falsch interpretiert und unkorrekte Zahlen veröffentlicht. FINANZTEST muß dies nun im Internet und in der nächsten Ausgabe seiner Zeitschrift korrigieren. Auch eine effektive Möglichkeit, um im Gespräch zu bleiben...... 3. Vorsorge bei Frauen und Frauenfeindlichkeit? Der im Bereich der Naturheilverfahren und alternativen Medizin sehr rührigen Gesetzlichen Krankenkasse SECURVITA BKK wurde vom Bundesversicherungsamt (BVA) die Kostenübernahme einer Brustkrebsvorsorge-Untersuchung (Mammosonographie) bei Frauen untersagt. Die
Krankenkasse - in Auseinandersetzungen mit dem Amt erfahren - wirft diesem daraufhin eine verantwortungslose und frauenfeindliche Blockadehaltung bei der Krebsvorsorge vor und will eine "Männer-Dominanz in der Medizin" festgestellt haben. Die SECURVITA BKK will die Entscheidung des BVA nicht akzeptieren und gemeinsam mit den betroffenenen
Frauen und Selbsthilfeorganisationen für die Vorsorge streiten. 4. Geschlossene Fonds und wenig gute Nachrichten Gerade im Bereich der Geschlossenen
Immobilienfonds sind viele Anleger seit Jahren schlechte Nachrichten und geringe Ausschüttungen gewohnt. Doch besonders in den letzten Wochen hat sich hier noch mehr zum Schlechten verändert. So müssen Anleger in Berliner Objekten um die Landesförderungen fürchten, die in den Mieteinnahmen fest einkalkuliert sind. Doch das Land Berlin ist pleite - und
Geld für Mietzuschüsse von EUR 10,- pro Qudratmeter oder mehr ist einfach nicht mehr vorhanden. Was, wenn diese Zuschüsse ausbleiben? Gerade Fonds in der Rechtsform einer GbR können so zu einer existenziellen Bedrohung für die Anleger werden - schließlich haftet jeder hier unbegrenzt und unabhängig von der Höhe seiner Beteiligung mit seinem vollen
Privatvermögen! Auch die Holzmann-Pleite wird eine ganze Reihe von Fondsinitiatoren und Anlegern noch lange beschäftigen: Der Baukonzern hat oft nicht nur gigantische Baukomplexe erstellt, sondern gleichzeitig auch umfassende Mietgarantien für diese gegeben. Wie der DFI-Gerlach-Report vom 28.03.2002 berichtet, soll besonders der IAK-Fonds "Ammonhof" in Dresden betroffen sein. In diesem Fonds der Sparkassengruppe hat eine Holzmann-Tochter einen Generalmietvertrag bis 2007. Die Jahresmiete über 2 Millionen scheint stark gefährdet, da der Mieter jederzeit Konkurs anmelden kann. Weniger betroffen sind wohl die Fonds der H.F.S. (Hypovereinsbank) und BBVI (Bayerische Beamten-Versicherung), da entweder die Flächen tatsächlich vermietet sind oder eine werthaltige Bankbürgschaft existiert. Der zeitweise Hoffungsträger MEDIENFONDS steht
auch nicht mehr ganz so positiv da. Die gerade bei Steuersparern beliebten Fonds konnten teilweise die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Viel wesentlicher dagegen aber ist das Risiko, daß neu aufgelegte Fonds die Produktionskosten nicht mehr sofort abschreiben können. Wer also hier über eine Beteiligung nachdenkt, sollte auf jeden Fall auf eine solide
und steuerlich einwandfreie Gestaltung des Fonds von seriösen Anbietern achten! 5. Fremdfinanzierte Renten mit unkalkulierbaren Risiken Mittlerweile gibt es doch einige Anbieter, bei denen sogenannte fremdfinanzierte Rentenversicherungen erhältlich sind.
Das Prinzip hierbei: Der Anleger nimmt einen Kredit auf und kauft von dem Geld eine sofortbeginnende Rentenversicherung. Aus den Auszahlungen der Rentenversicherung sowie einem separaten Sparvorgang (in der Regel mit Aktienfonds) wird das Darlehen abgelöst. Die Auszahlungen aus der Rentenversicherung laufen danach aber weiter und sichern dem Anleger eine
zusätzliche Altersversorgung. Das Ganze rechnet sich durch die niedrige Steuer auf die Auszahlungen und die Steuervorteile durch die absetzbaren Darlehenszinsen. Ein nicht zuletzt aufgrund der großen Summen und der damit verbundenen hohen Provisionen ein im Vertrieb durchaus beliebtes Modell. Weniger bekannt sind hierbei die allgemeinen Risiken wie vor allem die geringen Zinsen am Kapitalmarkt und die damit schlechtere Entwicklung der Versicherungen sowie die Einbrüche an den Aktienmärkten. Beides kann zu einer geringeren Auszahlung aus der Versicherung sowie einer nicht vollständigen Ablösung des Darlehens führen.
Gerade bei den hohen Summen dieses Modells sind hier hohe persönliche Risiken vorhanden. Doch nun kommen noch weitere besondere Risiken hinzu: Der Bundesfinanzhof hat entschieden (VIII R 29/00), daß die Makler- und Vermittlungsgebühren hier nicht mehr als Werbungskosten gelten und somit nicht mehr steuerlich abzugsfähig sind. Zusätzlich ist gerade in letzter Zeit die Diskussion darüber entstanden, ob die Auszahlungen der Rentenversicherung überhaupt als steuerbegünstigte Leibrente gelten. Sollte dies in Abrede gestellt werden, kann sich für viele Anleger das Modell nicht mehr rechnen. Wir empfehlen gerade bei den fremdfinanzierten Renten höchste Vorsicht und intensive Beratung durch den Steuerberater! 6. Orbitex und wie man Fonds schließt Auch
wenn wir in Deutschland mittlerweile über 5.000 zum Vertrieb zugelassene Investmentfonds haben und wöchentlich medienwirksam neue hinzukommen, so werden doch auch stetig Fonds geschlossen. In manchen Bereichen dient dies der Zusammenlegung der Fondspalette (so z.B. nach der Fusion von Allianz und Dresdner Bank). In anderen Fällen ist das Fondsvolumen so
gering, daß eine kostengünstige Verwaltung nicht mehr möglich ist. Normalerweise wird den Anlegern in einem solchen Fall der kostenfreie Wechsel in einen vergleichbaren Fonds der gleichen Gesellschaft angeboten. Hochinteressant
ist aber das Vorgehen der kanadischen Gesellschaft ORBITEX, die sich einen gewissen Namen bei Branchenfonds gemacht hat. Nach der Schließungswelle Mitte 2001 blieben nur noch vier Fonds übrig. Doch nun werden auch noch die letzten Fonds - Orbitex Growth Fund
- Orbitex U.S. West Coast Fund
- Orbitex Natural Resources Fund
- Orbitex Communications & Information Technology Fund
geschlossen, und der Gerichtsstand wurde auf die Bahamas verlagert. Den Anlegern wird ein Wechsel in die Fonds von Orbitex Irland angeboten, die jedoch eine völlig andere Anlagestrategie verfolgen. Pikantes Detail
dabei: Die Fonds von Orbitex Irland haben in Deutschland keine Vertriebszulassung. Das bedeutet, Anleger haben erhebliche steuerliche Nachteile aus dem Besitz. Auch interessant: Die nun zur Schließung anstehenden Fonds haben in den letzten Monaten weit überdurchschnittliche Verluste eingefahren, und im Zusammenhang mit der Fondsgesellschaft sind Vorwürfe
von Unvermögen bis hin zu krimineller Energie zutage getreten. Diesen Spekulationen wollen wir uns ausdrücklich nicht anschließen, ziehen aber aus der Kündigung der Vertriebspartnerschaft durch die AXA Versicherungsgruppe unsere eigenen Schlüsse. Wir empfehlen unbedingt eine Überprüfung der Depotstruktur, wenn bisher Orbitex-Fonds im Portfolio enthalten
waren! 7. Und dann war da auch noch..... die Deutsche Bank mit ihrer vertrauenserweckenden Kontinuität. Nachdem man vor gut zwei Jahren das Kleinkundengeschäft (alle Kunden unter DM 200.000 Vermögen)
in einer bis dato beispiellosen und nahezu diskriminierenden Aktion in die Deutsche Bank 24 abgeschoben hatte, will man die Zweiklassengesellschaft nun wieder aufheben. Ob es sich hierbei um einen grundsätzlichen Sinneswandel hin zu Kundenorientiertheit handelt, bleibt abzuwarten. Zunächst einmal soll jedenfalls der Zusatz "24" wieder dem
Symbol der Deutschen Bank weichen. nach oben |