Die Themen des Monats: 1. Die Riester-Rente und 80 Mio. EUR Schaden 2. Auch HUK-Coburg Lebensversicherung nun mit Problemen 3. MLP hilft seinen Vertretern 4. Krankenversicherung für Prostituierte 5. Allgemeine Änderungen zum Juli 2002 6. Banken haften bei Geschlossenen Fonds 7. Und dann war da noch... ------------------------------------------------------------------------------- 1. Die Riester-Rente und 80 Mio. EUR Schaden Mittlerweile erkennen auch schon die ersten Politiker den (Un)Sinn der Riester-Rente und warnen sogar vor Abschlüssen. Ob FDP-Vize Rainer Brüderle dies aus sachlich tatsächlich nachvollziehbaren Gründen ("bürokratisches Monster") oder aus reiner Wahlkampftaktik tut, sei hier mal dahingestellt. Interessant ist es aber schon, besonders da immer mehr Verbraucher dies ähnlich zu sehen scheinen. Oder wie anders ist es zu erklären, daß
- von ca. 32 Millionen Förderberechtigten gerade mal
- ca. 2 Mio. einen Vertrag abgeschlossen haben und davon
- ca. 400.000 diesen Vertrag schon wieder gekündigt haben?
Mal kurz nachgerechnet: Dies ist eine sogenannte Stornoquote von 20 Prozent! Im normalen Versicherungsgeschäft liegt die Stornoquote i.d.R. weit unter 5 Prozent. Machen wir mal eine kleine Rechnung auf: Eine umfassende Beratung zur Riester-Rente dauert, wenn richtig, mindestens 2 Stunden. Bei diesem komplexen Thema eher mehr. Nehmen wir dann noch je eine halbe Stunde An- und Abfahrt hinzu. Berücksichtigen wir weiterhin den Verwaltungsaufwand mit Erfassung etc. mit nochmal einer Stunde. Kleinigkeiten wie Porto, Papier, Druckkosten, Benzin, Abschreibung,
Bürokosten etc. vernachlässigen wir der Einfachheit halber. Legen wir weiterhin bei einem durchschnittlichen Außendienstler und Sachbearbeiter nur einen effektiven Kostensatz von EUR 50,- pro Stunde zugrunde. Dann kommen wir auf 4 Stunden à 50 EUR = 200 EUR Kosten pro Vertragseinrichtung. Das Ganze mal 400.000 stornierte Verträge bedeutet somit einen
VOLKSWIRTSCHAFTLICHEN SCHADEN von EUR 80 Millionen!!!!!!! Und dabei war die Rechnung noch äußerst konservativ.... Herzlichen Glückwunsch Herr Riester, Sie sind wirklich ein erfolgreicher Arbeitsminister! Betrachten
wir das Ganze noch aus der Sicht eines Beraters: Derzeit scheint die Gesamtprovision für durchschnittliche Verträge bei ca. EUR 200,- zu liegen. Aber nicht, daß Sie glauben, diese Summe würde dem Berater / Abschlußvermittler sofort ausgezahlt. Nein, er erhält über 10 Jahre jeweils 20 EUR. Und das bei Kosten von ca. 300 EUR je Abschluß. Wer wundert sich da, daß diese Verträge kaum verkauft werden?
Und die Krone des Ganzen: Laut einer Anweisung des Bundesfinanzministeriums muß der Berater / Abschlußvermittler die volle Provision im ersten Jahr versteuern! Machen wir uns das mal klar: Der Vermittler
erhält im ersten Jahr 20 EUR für seine Arbeit ausbezahlt, muß aber EUR 200 versteuern. Bei einem Steuersatz von 50% sind das EUR 100, die er an das Finanzamt abzuführen hat. Damit rechnet sich ein Riester-Vertrag folgendermaßen für ihn: + EUR 20 ausgezahlte Provision ./. EUR 300 Kosten für den Vertragsabschluß ./. EUR 100 Steuerzahlung ----------------- EUR 380 VERLUST pro vermitteltem Vertrag im ersten Jahr Wie viele Verträge dieser Art kann sich ein Vermittler leisten, bevor er pleite geht? Ach so, er bekommt in den nächsten 9 Jahren ja wieder jeweils 20 EUR pro Jahr? Schön, aber voraussichtlich muß er jedes Jahr seinen Kunden erklären, wie die komplizierten Anträge auf Erhalt der staatlichen Förderung auszufüllen sind. 20 Minuten Telefonzeit je Kunde sowie einige Hausbesuche sind da auf jeden Fall zu erwarten. Und das bei einem angenommenen Stundensatz
von nur EUR 50,- für den Berater - da bleibt nichts von übrig. Mal ganz offen: Hätten Sie gedacht, daß sich diese Verträge so für Berater und Vermittler rechnen? Wundern Sie sich nicht, viele unserer Kollegen haben
nie diese Rechnung aufgemacht, denn sonst wären noch viel weniger Verträge verkauft worden. Um es mit Albert Bruer von der Zeitschrift PERFORMANCE zu sagen: Ein "Fiasko mit Ansage". By the way: Wir
können rechnen, sonst hätten wir unseren Beruf verfehlt. Daher beraten und verkaufen wir keine Riester-Renten, sondern informieren "nur" ausführlich auf unserer Website http://www.riester-produkte.de . Das kommt langfristig wesentlich günstiger....
2. Auch HUK-Coburg Lebensversicherung nun mit Problemen Wie die Financial Times Deutschland berichtet, steht nun auch die Lebensversicherungssparte der bekannten HUK Coburg vor größeren Problemen. Im Bereich der Aktien- und sonstigen Wertpapieranlagen mußte ein nicht unerheblicher Verlust hingenommen werden. Die Überschußbeteiligung wurde daher auf
sechs Prozent gesenkt. Wie jedoch der Branchen-Informationsdienst map-report berichtet, betrug die Nettorendite der Kapitalanlagen der HUK Coburg gerade mal 2,96 Prozent im Jahr 2001! Da fragt man sich dann doch, wie mit dieser Rendite die verprochenen 6 Prozent erzielt werden sollen. Umso mehr, als die Reserven zur Stützung der Überschüsse nur noch
11 Monate reichen sollen (ebenfalls laut map-report, "Reserven und Renditen deutscher Lebensversicherer 2001"). Um hier Schlimmeres zu vermeiden, stützt der Konzern die Lebensversicherungssparte mit 69 Mio. EURO mit Erträgen z.B. aus der Sach- und KFZ-Versicherung. Ob dies aber das strukturelle Problem der HUK mit minimal vergüteten "Vertrauensleuten" beseitigt, darf bezweifelt werden. Die Zeiten, in denen sich gerade Beamte und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes während der bezahlten Arbeitszeit mit Versicherungsvermittlung ein Zubrot verdient haben, scheinen im Zuge der Kostenoptimierung von Behörden nun doch langsam aber sicher der Vergangenheit
anzugehören. 3. MLP hilft seinen Vertretern Der Finanzvertrieb MLP ist durch die Berichte des Anleger-Magazins "Börse-Online" über angebliche
Manipulationen von der Börse drastisch abgestraft worden. Die Kursverluste sind erheblich, sogar über einen Ausschluß aus dem DAX wurde von mancher Seite spekuliert. Kein Vergnügen für die betroffenen Anleger - aber noch viel schlimmer für einige MLP-Vertreter: Viele haben MLP-Aktien auf Pump gekauft - und das teilweise bei einem einstigen Wert von EUR
170,- je Aktie Ende 2000. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen liegt der Kurs bei EUR 27,20 je Aktie. Kein Wunder, daß die finanzierenden Banken nun von den MLP-Vertretern neue Sicherheiten fordern. Doch die haben viele einfach nicht, da der Vertrieb oft weit weniger verdient als die von ihm beratenen Kunden. Nun hatte MLP-Chef Manfred Lautenschläger ein Einsehen: Er gab gegenüber der die meisten Käufe finanzierenden BW-Bank sowie der hauseigenenen MLP-Bank eine Patronatserklärung ab. Das war wohl die günstigere Methode - einige aus diesen Gründen pleite gegangene
Vertreter hätten den ohnehin angeschlagenen Ruf des Unternehmens wohl noch weiter ruiniert. 4. Krankenversicherung für Prostituierte Auch wenn unter unseren Lesern dieser Berufsstand sicherlich kaum vertreten ist (oder etwa doch? Wir sind auf Reaktion an gespannt) erlauben wir uns einen kleinen Hinweis: Bekanntlich hatten Prostituierte bei wahrheitsgetreuer Angabe des Berufes bislang meist große Schwierigkeiten, in eine Private Krankenversicherung
aufgenommen zu werden. Dies ist nun endlich einfacher möglich geworden: Wir können eine Versicherung anbieten, bei der eine Aufnahme grundsätzlich möglich ist. Voraussetzung sind lediglich ein aktueller Untersuchungsbericht eines zugelassenen Arztes sowie Drogen- und AIDS-Tests. Sofern diese
Berichte gut sind und dann noch die Bonität okay ist, steht einer Aufnahme nichts mehr im Wege! Bei Interesse bitten wir um Kontaktaufnahme unter . 5. Allgemeine Änderungen zum Juli 2002 Zum 01.07.2002 treten wieder einige Änderungen in Kraft:
- Rentenerhöhung: In den alten Bundesländern werden die Renten um 2,16% und in den neuen
- Ländern um 2,89% erhöht (ebenso die Alterssicherung der Landwirte und für Kriegsopfer).
- Zusätzliche Rentenerhöhung: Rentnerinnen, die Kinder erzogen haben, erhalten für jedes Kindererziehungsjahr zusätzlich etwas mehr Geld (Erhöhung in ähnlichem Rahmen wie oben).
- Erhöhung der Unfallrenten: Leistungen aus der Gesetzlichen Unfallversicherung steigen
um die gleichen Prozentsätze wie die Renten
- Erhöhung der Sozialhilfe: Die Leistungen steigen um die gleichen Prozentsätze wie die Renten
Weiterhin gibt es Änderungen in den Freibeträgen bei Renten wegen Todes, beim
Arbeitszeitschutz für Seeleute und eine neue Jugendteilzeithilfe. 6. Banken haften bei Geschlossenen Fonds Wie der Branchen-Informationsdienst "k-mi" berichtet, gibt es eine hochinteressante Wende im Bereich der Bankenhaftung bei Finanzierung von Anteilen an einem geschlossenen
Immobilienfonds. Der Fall in Kürze: Die Kreis-Sparkasse Northeim hatte Anlegern ihren Anteil an einem geschlossenen Hotel-Immobilienfonds (Romantik-Hotel Menzhausen GmbH & Co. KG) finanziert. Dieser war wohl enorm überteuert und unsolide kalkuliert. Somit platzte der Fonds. Doch wie sich nun herausgestellt hat, war die Finanzierungsbereitschaft der Bank alles andere als uneigennützig: Der ursprüngliche Betreiber des Hotels stand mit einem größeren und zum Teil ungesicherten Kredit bei der Bank in der Kreide. Da ist es doch schön, wenn das Ganze in einen Fonds umgewandelt wird und über die Anlegergelder das Darlehen problemlos zurückgezahlt werden kann. Daß dies zu einem ernsthaften Interessenskonflikt der Bank geführt haben muß, hat nun auch das Landgericht Göttingen in seinem noch nicht rechtskräftigen Urteil (Az.: 2 O 527 / 01) festgestellt. Darin heißt es: "Das durch die Kreditvergabe eingegangene Risiko wurde auf die Anleger zumindest mitverlagert. Die Beklagte [die Bank, Anmerkung des Verfassers] war
zudem wegen eines bei ihr bestehenden Wissensvorsprungs gegenüber den Klägern zu einer weitreichenden Aufklärung verpflichtet. Ihr war auch bekannt, daß die Angaben im Emissionsprospekt nicht in dieser Pauschalität zutrafen." Die Folge: Die Bank wurde verurteilt, den Anteil am Immobilienfonds gegen Rückzahlung von
Zinsen und Tilgung selbst zu übernehmen! Gegen das Urteil hat die Bank Berufung angekündigt. Es bleibt abzuwarten, ob dieses Urteil Bestand haben wird und ggfls. auf eine Vielzahl anderer Fälle von geprellten Anlegern übertragbar ist. 7. Und dann war da auch noch..... ein netter kleiner Asteroid von etwa hundert Metern Durchmesser, der die Erde am 14. Juni nur ganz knapp verpasst hat. Er ist in einer Entfernung an der Erde vorbeigerauscht, die in etwa 30
% der des Mondes von der Erde entspricht. Wäre er aufgeprallt, hätte das Ergebnis einer massiven Atombombenexplosion geglichen. Aber die Astronomen haben ihn ja schon 3 Tage nach (!) dem Vorbeifliegen entdeckt. Guten Morgen und Happy Birthday uns allen! nach oben |