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Nov./Dez. 2003

 

Aktuell im Oktober 2003

Die Themen des Monats:

1. Lebensversicherung - ja oder nein?
2.
Rentenkürzungen kommen
3.
Krankenkassen mit Selbstbehaltstarifen
4.
Erstes deutsches Versicherungsunternehmen Pleite
5.
Gebäudeversicherungen - Beiträge steigen
6.
Wichtig für Autofahrer
7.
Und dann war da noch...

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1. Lebensversicherung - ja oder nein?

Sie werden nicht gerade geliebt und doch gibt es mehr Lebensversicherungs-Policen als Einwohner in Deutschland. Gerade in den letzten Monaten sind sie - nicht zuletzt durch das Ende der MANNHEIMER Lebensversicherung - ins Gerede gekommen. Ist das Produkt überhaupt noch vertrauenswürdig?

Bereits im Oktober 2002 warnte die internationale Rating-Agentur FITCH, daß die deutschen Lebensversicherungen in massiven Schwierigkeiten stecken und es bald zum Zusammenbruch erster Gesellschaften kommen könne.
Zunächst von der Öffentlichkeit wenig beachtet behielt man leider Recht: Im Sommer diesen Jahres kam das erste Ende einer deutschen Lebensversicherung seit dem 2. Weltkrieg: Die MANNHEIMER Lebensversicherung wird "abgewickelt". Um Schaden von den Versicherten abzuwenden, wurde der Versicherungsbestand auf den Auffang-Pool "Protektor" übertragen. Inwieweit hier aber die ursprünglich in Aussicht gestellten Leistungen erreicht werden, bleibt abzuwarten.

Am 2. Oktober diesen Jahres brachte FITCH eine neue Studie heraus. Diese benennt auf Basis der 2002er Zahlen 21 akut gefährdete Gesellschaften (zuoberst die gefährdetsten, dann in abnehmender Reihenfolge):

  • Mannheimer Lebensversicherung (bereits in Auflösung)
  • INTER Lebensversicherung
  • Provinzial Nord Lebensversicherung
  • Victoria Lebensversicherung
  • Hannoversche Lebensversicherung
  • Gothaer Lebensversicherung
  • Bayerische Beamten Lebensversicherung
  • Rheinland Lebensversicherung
  • Gerling Konzern Lebensversicherung
  • HUK-Coburg Lebensversicherung
  • ARAG Lebensversicherung
  • uniVersa Lebensversicherung
  • Deutscher Herold Lebensversicherung
  • Deutsche Ärzteversicherung
  • Öffentliche Lebensversicherung Braunschweig
  • Berlinische Lebensversicherung (incl. Assecura und General Accident)
  • Vereinigte Postversicherung
  • Sparkassen-Versicherung Sachsen
  • Bayern-Versicherung
  • Familienfürsorge Lebensversicherung
  • Süddeutsche Lebensversicherung

Zeitgleich meldete das ARD-Magazin [plusminus, daß bei der INTER Lebensversicherung (Nr. 2 dieser Liste) die Bundesanstalt für die Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) bereits sichernde Maßnahmen angeordnet hat. Genau dies war auch bei der MANNHEIMER die Vorstufe zur Auflösung.

Sind die deutschen Lebensversicherungen jetzt generell unsicher?
Nein, im Gegenteil! Der Markt hat sich nur entscheidend geändert und die Wahl der richtigen Versicherungsgesellschaft will mehr denn je gut überlegt sein. Es gibt eine ganze Zahl von schlecht dastehenden Versicherungsunternehmen, bei denen wir heute beim besten Willen keine Anlage mehr empfehlen können.

Doch auf der anderen Seite gibt es einige exzellent dastehende Lebensversicherungsunternehmen wie z.B. die Lebensversicherung von 1871 oder die WWK. Das sind Unternehmen mit relativ geringem Marktanteil. Sie gehen in ihrem Vertrieb nicht aggressiv vor, weisen aber hervorragende Zahlen aus und arbeiten langfristig sehr erfolgreich. Sie - wie auch einige andere Gesellschaften - haben die Krise der letzten Jahre offensiv angegangen und exzellent bewältigt.

Aber: Es stehen Änderungen bevor!

  • 2004: Die Mindestverzinsung für Neuverträge wird von 3,25% pro Jahr auf nur noch 2,75% p.a. gesenkt
  • 2005: Eventuell wird die Steuerfreiheit bei Ablauf abgeschafft werden.

Diese beiden Änderungen betreffen aber nur Verträge, die nach Inkrafttreten der Regelungen neu abgeschlossen werden. Bereits bestehende Verträge sind von den Änderungen nicht betroffen!

Daher unsere Empfehlung: Handeln Sie noch dieses Jahr! Denn bei Beginn der Versicherung bis Dezember 2003 bekommen Sie noch die volle Mindestverzinsung von 3,25% p.a. für die gesamte Laufzeit und garantierte Steuerfreiheit!

Interessierten Kunden machen wir gerne individuelle Vorschläge - bitte kontaktieren Sie uns unter Ihr Kontakt zu uns. Wünschen Sie zunächst detaillierte Informationen, empfehlen wir einen Besuch der Website http://www.lv-angebote.de.
 

2. Rentenkürzungen kommen

Seit Jahren berichten wir in diesem Newsletter und in Vorträgen über die Krise der Gesetzlichen Rentenversicherung. Noch vor gar nicht langer Zeit ernteten wir als Reaktion ungläubige Gesichter und Aussagen wie "Der Staat wird mich schon nicht hängen lassen" und "Das kann ja gar nicht sein".
Doch, es kann. Und das gibt nun auch endlich die Politik zu. Doch schauen wir uns zuerst einmal ein paar Zahlen an:

  • Fast die Hälfte aller Rentnerinnen, nämlich 45,2%, erhält eine Rente von weniger als EUR 400,- pro Monat. Das reicht in den meisten Städten nicht einmal für die Zahlung der Miete!
     
  • Die Einnahmen der Rentenversicherung sind nicht ausreichend. Für das Jahr 2003 war eine Stützung der Rentenkassen durch Steuermittel (besonders durch die Ökosteuer) in Höhe von 53,9 Mrd. EUR geplant. Durch die hohe Arbeitslosigkeit erhöht sich diese aber auf voraussichtlich ca. 77,3 Mrd. EUR.

Angesichts dieser dramatischen Lücke gibt es nun nur noch zwei Lösungen: Entweder Beitragserhöhungen oder Rentenkürzungen. Beides ist mehr als unpopulär und soll daher vermieden werden. Daher zaubert man einige Maßnahmen eher kosmetischer Natur aus dem Hut und vertraut auf ein Anziehen der Konjunktur. Diese soll dann die Kassen wieder auffüllen, die jetzt erstmal weitgehend geplündert werden.
Hinzu kommt eine Erhöhung des Beitrags der Rentner zur Pflegeversicherung. Diese bedeutet de facto eine Rentenkürzung. Doch angesichts der fehlenden Geldbeträge erscheint dies eher nur als Tropfen auf den heißen Stein.

Konkret hat das Kabinett am 19.10.2003 folgende Maßnahmen zur Sicherung der Rentenkassen beschlossen:

  • Beiträge:
    Diese bleiben erstmal unverändert bei 19,5%. Die in der Vergangenheit in Aussicht gestellte Beitragssatzsenkung ist leider Makulatur.
  • Streichung der Zuschüsse zur Pflegeversicherung:
    Bislang hat die gesetzliche Rentenversicherung die Hälfte des Beitrags der Rentner zur Pflegeversicherung gezahlt. Dies fällt ab Januar 2004 weg.
  • Verschiebung der Rentenerhöhung:
    Die ursprünglich zum 1. Juli 2004 vorgesehene Rentenerhöhung wird auf den 1. Januar 2005 verschoben.
  • Verschiebung der Renten-Auszahlung:
    Neu-Rentner sollen ihre Rente nicht mehr am Monats-Anfang, sondern erst zum Monats-Ende erhalten.
  • Verringerung der Renten-Reserve:
    Die Rücklage soll auf 20 Prozent einer Monatsauszahlung verringert werden. Nach einem Anziehen der Konjunktur soll sie wieder auf 1,5 Monatsauszahlungen aufgestockt werden (einmaliger Kapitalbedarf dafür ca. 20 Mrd (!) EUR).
  • Verringerung der Rentensteigerungen:
    Durch den erneuten Einbau eines (nach dem Regierungswechsel 1998 gestrichenen) "Nachhaltigkeitsfaktors" in die Rentenformel sollen künftige Rentenerhöhungen an die demographische Entwicklung angepasst werden. 
  • Stop der Frühverrentung:
    Die Möglichkeit zum "sozialverträglichen Arbeitsplatzabbau" bei Unternehmen auf Kosten der Sozialkassen soll gestoppt werden. Die Rente soll künftig tatsächlich möglichst erst ab Alter 65 Jahre gezahlt werden.
  • Vereinfachung der Riester-Rente:
    Die überbürokratisierte und offensichtlich erfolglose "Riester-Rente" soll vereinfacht werden und künftig nur noch drei Kriterien erfüllen müssen.

Wer es besser machen möchte als die Politiker, der kann mit einem Simulator im Internet die Folgen von einzelnen Maßnahmen auf die Rentensituation einmal nachspielen. Das Programm ist kostenfrei und zu erreichen unter http://www.safety1st.de/simulator/sim_mitte_screen2.html.
Unser Tip des Monats!
 

3. Krankenkassen mit Selbstbehaltstarifen

Das Rentensystem ist in seiner tiefsten Krise seit seinem Bestehen und in der Krankenversicherung sieht es kaum besser aus. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement gab dies bereits Ende Juli zu: "Wir sind nicht mehr in der Lage, das Gesundheitssystem wie bisher zu finanzieren". Der Einzelne müsse mehr Eigenverantwortung und mehr Lasten übernehmen.

Dies wurde ja auch im Gesetz zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenkassen festgeschrieben. Die Streichpläne haben wir bereits im Juli-Newsletter ausführlich vorgestellt und das Gesetz wurde am 17.10.2003 entgültig verabschiedet. Eine detaillierte Darstellung finden Sie unter http://www.gesundheitsreformen.info.

In diesem Gesetz ist unter anderem vorgesehen, daß künftig Selbstbehaltstarife in der Gesetzlichen Krankenversicherung erlaubt sind. Dementsprechend basteln die Gesetzlichen Krankenkassen mit Hochdruck an Lösungen.

Nun hat der AOK-Bundesverband ein Modell vorgestellt, mit dem gesundheitsbewußte Versicherte Beiträge sparen können. Wer Behandlungskosten bis EUR 350,- pro Jahr aus eigener Tasche zahlt und zugleich regelmäßig an Gesundheitschecks und Impfungen teilnimmt, der soll EUR 300,- pro Jahr erstattet bekommen. Fallen also keine Behandlungskosten an, dann hat der Versicherte EUR 300,- an Beiträgen im Jahr gespart, wird er öfters krank, zahlt er maximal EUR 50,- pro Jahr zusätzlich.

Doch so neu wie groß in der Presse angekündigt ist dieses Modell gar nicht: Schon heute bieten drei Gesetzliche Krankenkasse bereits genehmigte Selbstbehaltstarife an:

  • BKK Conzelmann
  • BKK Fahr
  • Techniker Krankenkasse.

Details zu den Modellen finden Sie unter http://www.gesetzlichekrankenkassen.de/spartarife/spartarife.html.

Die neuen Modelle der AOK sind dort noch nicht enthalten, da es sich bislang nur um Ankündigungen des Bundesverbandes handelt, die von den 17 einzelnen AOKn erst noch umgesetzt und durch das Bundesversicherungsamt genehmigt werden müssen.

Auch die Ersatzkassen wie BARMER und DAK haben ähnliche Modelle angekündigt. Die Betriebskrankenkassen (BKK) arbeiten an Modellen, bei denen auch der Arbeitgeber sparen kann, wenn die Firma die betriebliche Gesundheitsförderung unterstützt.
 

4. Erstes deutsches Versicherungsunternehmen pleite

Eine traurige Premiere mußte nun in Hamburg "gefeiert" werden: Die erste Pleite einer deutschen Versicherung seit rund 100 Jahren!

Der kleine Schiffs-Versicherer ANTRA Niederelbe-Trampfahrt Versicherungs-AG hat sich übernommen. Daher hatte die Bundesanstalt für die Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) dem Unternehmen bereits im März diesen Jahres das Neugeschäft untersagt und nun wegen Überschuldung den Insolvenz-Antrag gegen die Versicherung gestellt.

Auch wenn es sich nur um einen eher unbedeutenden Marktteilnehmer handelt, so wirft dies doch gerade nach dem Drama um die MANNHEIMER Lebensversicherung ein schlechtes Licht auf den deutschen Versicherungsmarkt. Es besteht die große Gefahr, daß dieser seine in der Vergangenheit exzellente Reputation leichtsinnig verspielt!

Übrigens: Die ANTRA ist wirklich die erste Pleite. Bei der MANNHEIMER wurde noch rechtzeitig der Versichertenbestand incl. der stillen Lasten auf den Auffang-Pool Protektor übertragen. So wurde im Sommer eine Pleite vermieden!
 

5. Gebäudeversicherungen - Beiträge steigen

Viele Hausbesitzer bekommen in diesen Wochen sehr unangenehme Post von ihrem Gebäudeversicherer. Durch die vielen Naturkatastrophen der letzten Jahre erhöhen die Versicherungen auf breiter Front ihre Beiträge für Hausversicherungen.

Doch Erhöhungen von 20-30 Prozent sind oft noch harmlos gegen die von manchen Unternehmen ausgesprochenen Kündigungen. Vielen Versicherungen laufen nämlich ihre Tarife aus dem Ruder - besonders bei Einschluß von Elementarschäden wie Hochwasser, Erdrutsch, Lawinen und Erdbeben.

Doch dieser Schutz macht enorm Sinn - denn die komplette Zerstörung der Immobilie kann ein existenzbedrohender Schaden für jeden Hausbesitzer sein. Bei ernsthaftem Interesse an einem individuellen Angebot bitten wir um Ihre Anfrage unter Angabe von Gebäudeart, Postleitzahl sowie Wohnfläche in Quadratmetern an Ihr Kontakt zu uns.
 

6. Wichtig für Autofahrer

In der letzten Zeit gab es einige Urteile, die Autofahrer kennen sollten - gerade jetzt zu Beginn der schadensträchtigen Winterzeit:

  • Unfallflucht kann Kasko-Schutz kosten
    Wer als Autofahrer nach einem selbst verursachten Unfall den Schadensort verläßt und sich erst 24 Stunden später bei der Polizei meldet, hat keinen Anspruch mehr auf Entschädigung aus der KFZ-Kaskoversicherung (OLG Oldenburg Az. 3 U 2/03).
    Gleichzeitig aber ist es keine Unfallflucht, wenn man den Geschädigten sofort unterrichtet. Dann muß die Versicherung trotzdem zahlen (OLG Hamm, Az. 20 U 212/02).
     
  • Zu dichtes Auffahren gefährdet Versicherungsschutz
    Wer auf der Autobahn mit gut 170 km auf der Überholspur hinter einer Kolonne herfährt, muß mit plötzlichen Bremsmanövern der vor ihm Fahrenden rechnen. Hält er nicht genügend Abstand und ist nicht jederzeit bremsbereit, verliert er bei einem Unfall seinen Kaskoschutz (OLG Düsseldorf, Az. 10 U 184/01).

Kommen Sie sicher an Ihr Ziel!
 

7. Und dann war da noch.....

die deutsche Steuergesetzgebung. Sie scheint nicht nur verwirrend zu sein, sie ist es auch. So ergab eine sogenannte "Große Anfrage" der FDP-Fraktion im Bundestag, daß in Deutschland jeder steuerzahlende Bürger für die korrekte Besteuerung

  • 118 Gesetze
  • 87 Verordnungen
  • 34 Veränderungen des Einkommenssteuergesetzes in 4 Jahren und
  • 3953 Schreiben des Finanzministeriums

zu steuerrechtlichen Fragen beachten muß. Können Sie die gerade mal aus dem Kopf inhaltlich wiedergeben?

 

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