Die Themen des Monats: 1. Größter uns bekannter Leistungsvergleich von Krankenkassen
2. Verwaltungskosten-Wahnsinn beim Arbeitsamt 3. Braucht die Gesetzliche Rentenversicherung bald Hilfe? 4. Lebensversicherungen müssen Kunden gleich behandeln 5. Hedgefonds doch keine lohnende Anlageform? 6. Fonds für US-Lebensversicherungspolicen vor dem Aus? 7. Und dann war da noch... -------------------------------------------------------------------------------
1. Größter uns bekannter Leistungsvergleich von Krankenkassen Bekanntlich ist zum Jahresbeginn die Gesundheitsreform mit teilweise erheblichen Leistungskürzungen (z.B. bei
Medikamenten) in Kraft getreten. Die versprochenen Einsparungen wurden dafür bislang aber kaum realisiert. Wenn man aber nun schon viel Geld für die Krankenversicherung ausgeben muß, möchte man mit Recht möglichst umfangreiche Leistungen erhalten. Zwar sind ca. 96% der Leistungen gesetzlich vorgeschrieben - doch bei den verbleibenden 4% gibt es teilweise erhebliche Unterschiede.
Wir haben daher in den letzten Wochen den unseres Wissens nach umfangreichsten Leistungsvergleich der Gesetzlichen Krankenkassen erstellt: Über 200 Krankenkassen wurden angeschrieben und um Beantwortung eines detaillierten Fragebogens zu den Themen - Naturheilverfahren
- Modellprojekte
- Allgemeine Serviceleistungen
- Disease-Management-Programme
- Bonusmodelle / Spartarife
- Zusatzversicherungen
gebeten. Trotz teilweise mehrfacher Erinnerung bekamen wir nur 108 Fragebögen zurück. Schon hier zeigt sich, daß eine ganze Reihe von Krankenkassen an einer öffentlichen
Betrachtung ihrer Leistungen offensichtlich nicht interessiert ist. Jeder dort Versicherte sollte daraus seine eigenen Schlüsse ziehen! Die Leistungsaussagen haben wir in mehreren Tabellen auf unserer Website http://www.gesetzlicheKrankenkassen.de nahezu vollständig zusammengestellt. Sie sind selbstverständlich kostenfrei zugänglich. Eine Bewertung der abgefragten Leistungen hat die Zeitschrift ÖKOTEST in ihrer gerade erschienenen Ausgabe 5/2004 vorgenommen. Auf 12 Seiten werden detaillierte Betrachtungen vorgenommen und die
nach Meinung der ÖKOTEST 20 besten Krankenkassen gekürt. Lesenswert! Bemerkenswert waren bei dieser Umfrage nicht nur die Angaben der Krankenkassen in den Fragebögen sondern vor allem die nicht gemachten Angaben: - Nur ca.
57% der Kassen haben die Fragen überhaupt beantwortet. Was ist mit den anderen? Warum scheut man hier die Öffentlichkeit?
- Durchgängig wurde sehr verspätet geantwortet, und die Antworten waren teilweise geradezu schludrig oder nachlässig
- Die Zahl der
Geschäftsstellen wurde oft nicht angegeben; dabei ist dies ein ganz wichtiges Service-Kriterium für manche Versicherte
- Einige Kassen, gerade bestimmte Großkassen aus dem AOK- und Ersatzkassen-Bereich, behaupten unverdrossen und das sogar teilweise schriftlich, gewisse (Natur-)Heilverfahren wären verboten, nur weil sie selbst dafür nicht zahlen möchten. Andere Kassen leisten aber
problemlos für diese Verfahren!
- Eine BKK will nicht im Vergleich erscheinen, da man "dort zu schlecht abschneiden" würde
- Eine BKK aus dem bergischen Land gibt keine Zahlen über das Gründungsdatum und Mitgliederzahlen heraus mit der (schriftlichen)
Begründung, es würde sich um interne Zahlen handeln. Als Körperschaften öffentlichen Rechts sind jedoch ALLE Kassen zur Offenlegung der Geschäftsberichte mit diesen Zahlen verpflichtet.
- Eine zu einer der größten deutschen Mediengruppen gehörende BKK mit günstigem Beitragssatz behauptet, nur Konzernmitgliedern offen zu stehen und "wimmelt" andere Interessenten ab. Die
Kasse ist aber allgemein geöffnet und somit zur Aufnahme JEDES Interessenten verpflichtet.
Das sind nur einige wenige der kleinen Randerscheinungen, die bei einer solchen Umfrage anfallen. Verglichen mit unseren ersten Umfragen in den Jahren 2000 und 2001 ist die Auskunftsbereitschaft aber doch stark gestiegen. Das damals noch viel verbreitetere Abschottungsprinzip
scheint bei den meisten Kassen doch einer Akzeptanz des Wettbewerbs gewichen zu sein. Andere Kassen, die heute noch Auskünfte zu ihren Leistungen verweigern, sollten auch trotz teilweise günstiger Beiträge nicht unbedingt die erste Wahl sein. Weniger Leistung ist an sich nicht schlimm, irgendwie müssen günstige Beiträge ja entstehen. Aber warum mag man das nicht offen
kommunizieren und die eigenen Stärken betonen? Übrigens: Die medienwirksamen Ankündigungen der "Abschaffung der Praxisgebühr" (z.B. BARMER Ersatzkasse) in jüngster Vergangenheit, sind zu relativieren. Die Gesundheitsreform schreibt diese Gebühr eindeutig vor. Die BARMER erstattet lediglich den Teilnehmern der sogenannten "Hausarztprogramme" die Gebühr
von maximal EUR 40,- am Jahresende zurück! Was die BARMER und andere Kassen an Spar- und Bonusmodellen anbieten, entnehmen Sie bitte der Rubrik "Bonusmodelle" auf unserer Website http://www.gesetzlicheKrankenkassen.de. 2. Verwaltungskosten-Wahnsinn beim Arbeitsamt Aktuell flattern den Firmen die
Beitragsbescheide der Berufsgenossenschaften für die gesetzlich vorgeschriebene Unfallversicherung der Arbeitnehmer (diese wird ausschließlich vom Arbeitgeber bezahlt) ins Haus. Die Kosten der eigentlichen Unfallversicherung sind darin nur ein Teil; daneben wird in den Beitragsbescheiden auch die sogenannte "Insolvenzgeld-Umlage" der Bundesagentur für Arbeit abgerechnet. Diese im Grunde sehr sinnvolle Umlage stellt den Arbeitnehmern sicher, daß auch bei der Pleite eines Unternehmens das Gehalt für eine bestimmte Zeit weitergezahlt wird. Erbracht werden die Gelder von allen Unternehmen in Deutschland, ausgezahlt werden sie an die betroffenen Arbeitnehmer durch das Arbeitsamt. Weniger bedeutend ist der Betrag an sich, viel
spannender ist ein Blick auf die beigefügte Anlage mit den Bemessungszahlen. Daraus geht hervor: Insolvenzgeldzahlung 2003 insgesamt: 1,664 Milliarden EUR Verwaltungskosten: 85 Mio. EUR
Nochmal die Verwaltungskosten: 85 Mio. EUR allein in 2003 nur für
die Auszahlung von Insolvenzgeld! Das sind 5,1 Prozent der gesamten Insolvenzgeldzahlungen! Soviel zum Thema kostengünstige Verwaltung! 85 Mio. EUR alleine sind von allen Unternehmen Deutschlands für einen Bürokratie-Wasserkopf aufzubringen, den sie nicht zu verantworten haben. Kein Wunder, wenn die Zahl der Insolvenzen nicht zuletzt angesichts solcher vermeidbarer Kosten immer größer wird!. 3. Braucht die Gesetzliche Rentenversicherung bald Hilfe? Wir haben in den letzten Newslettern immer wieder über die bedrohliche Situation der Gesetzlichen Rentenversicherung und die unverantwortliche Absenkung der sogenannten "Schwankungsreserve" berichtet. Nun scheint es, daß wir mit unseren Befürchtungen absolut richtig lagen: Die WELT berichtet in ihrer Ausgabe vom 16.04.2004 über
erneut gesunkene Einnahmen. In den ersten drei Monaten des Jahres lagen die Einnahmen unter dem Vorjahresniveau. Im Haushaltsplan der Rentenversicherer wurde aber durchgängig mit einen Zuwachs kalkuliert. Die Schere geht also weit auseinander und nach Angaben der WELT könnte nun tatsächlich im Herbst eine Geldspritze des Bundesfinanzministeriums nötig werden, um die Renten weiterhin auszahlen zu können. Der BfA-Chef Hartmann Kleinert befürchtet, daß eine Liquiditätshilfe des Bundes das Vertrauen der Bevölkerung nachhaltig erschüttern könnte. Denn: Hat die Rentenversicherung nicht genug Einnahmen, kann sie theoretisch die Renten nicht mehr vollständig auszahlen. Da dies aber der Bevölkerung nicht vermittelbar wäre, würde die Bundesregierung die fehlenden Gelder zunächst einmal aus (ohnehin kaum vorhandenen) Steuermitteln ausgleichen. Die BfA selbst
meinte zu einer Kürzung: "Das wäre politischer Selbstmord und ist deshalb undenkbar. Insofern ist die Rente sicher." Anstatt aber die marode Rentenversicherung zu sanieren und auf tragfähige Beine zu stellen, übt sich die Pressestelle des Bundessozialministeriums wie so oft im Prinzip Hoffnung: So sei die Unterdeckung im März schon niedriger gewesen als im Januar, also
sei man auf einem guten Weg. Außerdem erwarte die Bundesregierung, daß sich die Konjunktur im Laufe des Jahres verbessere. Auch durch die Reformen am Arbeitsmarkt würden sich die Beschäftigungssituation und damit die Beitragseinnahmen der Rentenversicherung positiv entwickeln. Im übrigen sei die Auszahlung der Renten zu jedem Zeitpunkt gesichert. Irgendwie haben wir diese Aussagen
in den letzten Jahren schon recht häufig gehört. Ist nur uns das immer wieder angekündigte positive Ergebnis bislang entgangen?. 4. Lebensversicherungen müssen Kunden gleich behandeln Seit
der Senkung des Garantiezinses Anfang diesen Jahres von 3,25% auf 2,75% pro Jahr behandeln einige Lebensversicherungen auch ihre Kunden unterschiedlich: So bekommen Bestandskunden mit der alten, höheren Garantieverzinsung weniger Überschüsse zugewiesen als Neukunden mit der niedrigeren Garantieverzinsung. Begründet wird diese erhebliche Benachteiligung mit den höheren Kosten für höhere Garantien. Praktiziert wird diese Praxis von folgenden Versicherungen: - Aachener und Münchener Lebensversicherung
- Alte Leipziger Lebensversicherung
- Asstel
- AXA
- Bayerische Beamtenversicherung
- Deutsche Ärzteversicherung
- Deutscher Ring
- Hamburg-Mannheimer
- Gerling
- Gothaer
- Öffentliche Berlin-Brandenburg
- Öffentliche Oldenburg
- Victoria Lebensversicherung
Konkret heißt das am Beispiel Hamburg-Mannheimer: Wer in 2004 einen Vertrag abgeschlossen hat,
bekommt 4,4% gutgeschrieben. Wer den Vertrag in den Jahren zuvor abgeschlossen hat, muß sich mit 4,2% zufrieden geben. Doch nun wurde die Aufsicht aktiv und will diese Praxis nicht mehr länger dulden. Die Bundesanstalt für die Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) teilte mit, daß dies gegen den gesetzlich vorgeschriebenen Gleichbehandlungsgrundsatz verstoße. Hauptvorwurf der Aufsicht ist, daß nur die Kosten nach Alt- und Neuverträgen aufgeteilt werden. Die Erträge werden aber als Ganzes betrachtet und nicht einzeln den Alt- und Neuverträgen zugeordnet. Das sei ungerecht und darüber hinaus gebe es keine vertragliche Grundlage für eine Spreizung der Überschüsse. Pikant ist auch, daß es bei den früheren Senkungen des Garantiezinses (2000 von 4% auf
3,25%) keine Erhöhungen der Überschüsse und bei Erhöhungen des Garantiezinses (1987 von 3% auf 3,5% und 1993 von 3,5% auf 4%) keine Senkung der Überschüsse gegeben hat. Einige Versicherungen wollen diese gesetzlichen Vorgaben aber wohl nicht hinnehmen: Sowohl die ERGO-Gruppe mit der Hamburg-Mannheimer und der Victoria als auch Gerling widersprechen der Auffassung des BAFin.
Nun bleiben die Anhörungen der Versicherungsunternehmen abzuwarten, bis die Aufsicht eine verbindliche Richtlinie veröffentlicht. 5. Hedgefonds doch keine lohnende Anlageform? Im
letzten Jahr wurden sie als mögliche Renditebringer hochgejubelt, die seit diesem Jahr auch in Deutschland zugelassenen Hedge-Fonds. Doch aktuelle Zahlen zeigen ein etwas anderes Bild: Der CSFB (Credit Suisse First Boston) Hedge-Fund-Index, in dem 400 dieser Fonds aus aller Welt mit unterschiedlichen Strategien zusammengefasst sind, ging verhältnismäßig stark in die Knie. Der Index steht derzeit bei 0,28%, während im Monat zuvor noch 1,4% erreicht wurden. Angesichts der teilweise wesentlich besseren Leistungen internationaler Aktienfonds im gleichen Zeitraum scheint sich die Produktlinie doch als nicht ganz so überlegen zu erweisen wie in der jüngeren Vergangenheit immer wieder behauptet. Ohnehin kann in Deutschland von einem Run auf
Hedge-Fonds nicht die Rede sein. Zugelassen sind bislang ein "Single-Hedgefonds" von der Fondsgesellschaft Lupus Alpha sowie ein "Dach-Hedgefonds" der Deutsche Bank-Tochter DWS. Letzterer soll nach Vorstellung seiner Macher einen Ertrag von 5 bis 8 Prozent pro Jahr erzielen. Dabei kostet er einen Ausgabeaufschlag von 4% und eine laufende Gebühr von 2% pro Jahr. Zusätzlich wird eine Erfolgsprämie von 10% (!) erhoben, wenn die Wertentwicklung des Fonds über dem Zinssatz
für Dreimonats-Festgeld (Euribor) liegt. Eine Preisfeststellung erfolgt - anders als bei normalen Aktien- oder Rentenfonds - nur einmal pro Monat am letzten Tag. Anleger können auch nur an diesem Tag Anteile erwerben oder verkaufen! Angesichts der nicht unerheblichen Gebühren eine unseres Erachtens eher bescheidene Zielvorgabe bei der Rendite. Warten wir mal die nächsten drei
Jahre ab, was die Profis der DWS tatsächlich draus machen! 6. Fonds für US-Lebensversicherungspolicen vor dem Aus? Sie sind der Shooting-Star unter den
geschlossenen Fonds und wurden von vielen Anlegern als Alternative zu den Immobilien-, Windkraft- und Medienfonds gesehen: Fonds für gebrauchte US-Lebensversicherungen. Zunächst einmal die Idee dahinter: In den USA laufen Risiko-Lebensversicherungen (die also nur den Todesfall abdecken) normalerweise nicht wie in Deutschland bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern lebenslang.
Ist die Immobilie aber abbezahlt, die Kinder aus dem Haus usw., entfällt oft die Notwendigkeit für eine solche Versicherung. Nun sind aber in diesen Policen die Kosten zum größten Teil bezahlt und die Versicherungsgesellschaft hat auf jeden Fall mit einer Kapitalzahlung kalkuliert, da die Versicherung ja bis zum Lebensende vorgesehen war. Doch der Versicherte hat davon nichts
und braucht den Schutz auch nicht mehr. Seit Jahrzehnten hat sich in den USA daher - ungeachtet der individuellen moralischen Bewertung - ein schwunghafter Handel mit solchen gebrauchten Lebensversicherungen entwickelt. Dabei wird die voraussichtliche Lebenserwartung des Versicherten ermittelt und ins Verhältnis zu Auszahlungssumme und weiterhin zu zahlender Prämie gesetzt.
Daraus ergibt sich eine Kapitalsumme, zu der die Versicherung dem Versicherten abgekauft wird. Dieser hat einen eindeutigen Vorteil daraus, da er ansonsten die Versicherung ersatzlos gekündigt hätte. Der Investor bekommt nun bei Tod der Person die Versicherungssumme ausgezahlt. Da aber manche Leute länger leben und andere kürzer als erwartet, ist der Erwerb von Einzelpolicen mit
einem nicht unerheblichen Risiko behaftet. Daher packt man eine Vielzahl von Policen in einen Investmentfonds und hat damit eine breite Risikostreuung. Diese Fonds werden mittlerweile auch in Deutschland aufgelegt und stellen eine erhebliche Rendite in Erwartung. Diese soll dazu noch steuerfrei sein, wie es Todesfallauszahlungen aus Lebensversicherungen nunmal in Deutschland
sind. Ca. 350 Mio. EUR Kundengelder wurden von den ca. 10 Anbietern bereits eingesammelt. Doch nun scheint dieses Erfolgsmodell seinen wichtigsten Vorteil zu verlieren: Die steuerfreien Ausschüttungen. So beabsichtigt wohl die Finanzverwaltung, solche Fonds als gewerbliches Investment (und nicht wie bislang als vermögensverwaltend) einzustufen - und damit vollständig
steuerpflichtig zu machen. Das würde bei einigen Fonds die Rendite halbieren! Wer also über ein Investment in diese in Deutschland junge Produktlinie nachdenkt, sollte sich der steuerlichen Risiken bewußt sein bzw. sich von seinem Berater darüber aufklären lassen! 7. Und dann war da noch... die künftige Wege-Maut für Boote. Was sich zunächst wie ein Aprilscherz anhört, ist aber tatsächlich ernst gemeint: Sofern Bundeswasserstraßen wie Kanäle oder Schleusen befahren werden, sollen alle Boote (incl. Sportboote und Segelyachten) eine Art Straßengebühr
bezahlen. Angedacht sind pauschal 60 bis 90 EUR pro Jahr. (Ein kleiner Vergleich: Die Straßenmaut in der Schweiz kostet jährlich pauschal nur um die 25,- EUR)! Damit ist klar, was nach Einführung der LKW-Maut und einem vielleicht irgendwann tatsächlich funktionierenden Toll-Collect-System kommen wird: Die Maut für jeden PKW bei Benutzung einer durch Steuergelder bereits
finanzierten Autobahn! nach oben |