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Aktuell im April 2006

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Die Themen des Monats:

1. TOP-Thema: Nichts ist sicher bei der Gesetzlichen Rente
2. Finanznews
3. Fondsnews
4. Versicherungsnews
5. Renten- und Sozialversicherungsnews
6. Rechts- und Steuernews
7. Und dann war da noch...

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1. TOP-Thema: Nichts ist sicher bei der Gesetzlichen Rente

Manche Zufälle haben ja doch ihre Bedeutung. Ein urlaubsbedingter Spaziergang zum Zeitungskiosk läßt am 18. April den Blick auf die Schlagzeile der BILD-Zeitung fallen: "Renten-Lüge ist legal". Was so typisch reißerisch daherkommt hat aber einen ganz wesentlichen Hintergrund, weshalb wir heute hier auf diesen Artikel etwas näher eingehen wollen.

Unser "geschätzter" Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm hatte Anfang der 90er Jahre mit seiner Werbekampagne "Die Rente ist sicher" suggeriert, daß eine zusätzliche Altersvorsorge im Grunde überflüssig sei. Den schließlich ist die Rente ja sicher. Doch in welcher Höhe?

Angesichts der dagegen stattfindenden immer weiteren Kürzungen und Nullrunden der Rentner ohne Inflationsausgleich kann man vermuten, daß die vermeintlichen Zusagen der Politik eine bewußte Täuschung der Bevölkerung über die tatsächliche Lage sind.

Der Axel Springer Verlag als Herausgeber der BILD-Zeitung hat daher am 10. März 2006 Strafanzeige wegen des Verdachts des Betruges und anderem gestellt!
Nun hat die Staatsanwaltschaft Berlin das Ganze geprüft und deren Antwort führte zu besagter Schlagzeile. Die Begründungen der Staatsanwaltschaft sind es in der Tat wert, zitiert zu werden:

"Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass die sozialen Sicherungssysteme, so auch die Rentenversicherung, unter dem Gesichtspunkt des Solidarprinzips organisiert sind. Das bedeutet, schon im Ansatz, dass nicht jeder das zurückerhält, was er eingezahlt hat, sondern lediglich einen Teil dessen, was allen Berechtigten zur Verfügung steht. [] Zuzustimmen ist Ihnen, dass das von Ihnen beanstandete Verhalten der für die Rentenproblematik Verantwortlichen aus der Sicht der Bürger in mancherlei Hinsicht beanstandenswert und diskussionswürdig sein mag. [] Mit der Entrichtung des Rentenbeitrags erwirkt der Versicherte aufgrund der solidarischen Ausrichtung des Rentensystems keinen Anspruch auf Rückzahlung seiner eingezahlten Beiträge, sondern vielmehr nur eine Anwartschaft oder Chance auf eine künftige Rentenzahlung. Dabei ist rechtlich nicht die Höhe der Rente geschützt, sondern nur der Anspruch als Sicherungsobjekt an sich steht fest." Und weiter:
"Ein Fehlgebrauch des Ermessens oder eine willkürliche Verteilung der Beiträge ist nicht zu erkennen. Auch wenn das System der einseitig von Geburtenrate und innerdeutschem Wirtschaftswachstum geprägten Umlagerente durch jüngere konjunkturelle und demographische Veränderungen reformbedürftig geworden ist, verursacht dies keinen Gesetzesverstoß im Rentensystem."

Diese Zitate stammen von Oberstaatsanwalt Karl-Heinz Dalheimer (Az. 76 Js 363/06), abgedruckt in besagter Ausgabe der BILD-Zeitung.

Man lasse sich bitte gerade folgenden Satz auf der Zunge zergehen: "Dabei ist rechtlich nicht die Höhe der Rente geschützt, sondern nur der Anspruch als Sicherungsobjekt an sich steht fest." Das heißt, solange immer noch irgendetwas gezahlt wird, und sei es noch so wenig, ist dem Gesetz Genüge getan. Dafür hat man ja eine "Chance" auf eine höhere Zahlung.

Es ist dem Axel Springer Verlag hoch anzurechnen, daß er endlich mal das getan hat, was viele von uns angesichts des Systems der Gesetzlichen Rente, ihrer hohen Abgaben und der miesen Renten schon lange denken: Die Regierung wegen Betruges anzeigen!

Daß die Staatsanwaltschaft so reagiert und hier kein strafrechtliches Verschulden sieht, wundert auf der anderen Seite aber auch nicht wirklich. Solange ja alle gleich behandelt werden, ist das System nicht beanstandungsbedürftig. Sprich, sofern allen gleich das Geld aus der Tasche gezogen wird, ist es nicht illegal.

Ob und wieviel später mal rauskommt - nun ja, wir sind eben ein Sozialstaat. Und dessen größtes Ziel ist ja die möglichst vollständige Umverteilung von den für Geld nicht mündigen Bürgern an den alles überschauenden und unfehlbaren Staat - bzw. dessen politische Organe. In diesem Zusammenhang sei nur das neue Ziel der SPD zum "vorsorgenden Sozialstaat" genannt....
Auf der anderen Seite zeigt diese Geschichte wieder einmal ganz deutlich, wie sehr man sich künftig auf die Gesetzliche Rente verlassen kann: Nämlich gar nicht! Solange mehr als Null herauskommt, ist es nicht illegal.

Und da inzwischen nur noch 39% Prozent der Bundesbürger für Ihren Lebensunterhalt arbeiten, 61% der Bürger aber von Transferleistungen jeder Art leben (Angaben des Statistischen Bundesamtes vom 26.04.2006), braucht man sich nur eine einfache Rechnung aufzumachen:

Kürzt man als Politiker Sozialleistungen, verärgert man 61% der Bürger und verliert diese als potentielle Stimmen.
Erhöht man als Politiker die Abgaben der aus unerfindlichen Gründen noch immer arbeitenden Minderheit (die sogenannten "starken Schultern"), verliert man maximal 39% der Stimmen.
Wie entscheidet man sich wohl, wenn der Horizont des Denkens maximal die nächste Wahlperiode von 4 bzw. 5 Jahren umfasst?
 

2. Finanznews

  • WM-Produkte und kein Ende
    In der letzten Ausgabe hatten wir über die "Fußballrente" der Hamburg-Mannheimer berichtet. Nun geht der Wahnsinn mit auf Fußball gelabelten Finanzprodukten weiter. Heute im Abseits: Das "Bonus Volltreffer-Konto" (sic!) der Postbank.
    7,75% Zinsen gibt es für dieses Konto. Nein, natürlich nicht garantiert, sondern nur dann, wenn die deutsche Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft gewinnt und ein deutscher Nationalspieler Torschützenkönig wird!
    Nachdem diese beiden Punkte ja - sagen wir - nur bedingt zu erwarten sind, lohnt sich ein Blick auf das, was man in allen anderen Fällen bekommt:
    Auf die Sparanlagen wird eine Basisverzinsung von 1,75% gezahlt. Mit jedem Sieg der deutschen Mannschaft gibt es 0,75%-Punkte mehr.
    Wobei sich alle Zinsen auf die jährliche Verzinsung beziehen. Das Konto läuft aber nur bis zum 17. Juli. Dementsprechend anteilig ist die Verzinsung.
    Angelegt werden können 2.500, 5.000, 7.500 oder 10.000 EURO. Nicht mehr. Und es gibt maximal 9.999 Konten.
    Bei einem maximalen "Gewinn" von EUR 193,75 (voll steuerpflichtig, wenn über Freistellungsaufträge) kann man hier wohl eher von einer Wette denn einem Konto sprechen. Da kommt doch glatt die Überlegung auf, ob man nicht gleich bei einem der einschlägigen Anbieter eine echte Wette mit deutlich höheren Gewinnchancen macht...
     
  • Kontenabrufverfahren "In der Praxis bewährt"
    Schon viele Male haben wir über den neuen deutschen Schnüffelstaat in bester DDR-Tradition berichtet. Legitimiert durch das euphemistisch "Gesetz zur Förderung der Steuerehrlichkeit" genannte Bestimmungswerk dringt der deutsche Staat immer weiter in die Privatsphäre seiner Bürger ein und überprüft alle deren Konten.
    In einer aktuellen Pressemitteilung bejubelt das Finanzministerium diese Aktion mit einem Zitat von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück: "Das Kontenabrufverfahren hat sich bereits nach einem Jahr in der Praxis hervorragend bewährt."
    Ob er damit den steigenden Geldfluß in Länder wie Luxemburg und Österreich meint, über die wir u.a. in der letzten Ausgabe berichtet haben?
    Aber nein, angeblich konnte "auf diesem Wege eine Vielzahl bislang unbekannter Konten und Depots aufgedeckt werden" und "die Finanzämter haben dabei wertvolle Ermittlungsansätze gewonnen. In Einzelfällen konnten mehrere 100.000 Euro durch Vollstreckung eingenommen werden."
    Eine wirklich erfolgreiche Aktion: Für mehrere 100.000 Euro Mehreinnahmen wird das Vertrauen der Bürger in ihren Staat zerstört, der Überwachungsstaat nach Orwell`scher Beschreibung eingeführt und viel Kapital von noch denkenden Bürgern ins Ausland vertrieben. Steht das wirklich im Verhältnis?

    Wir finden nein und unterstützen daher die legale Verlagerung von Kapital ins Ausland, wo die Bürgerrechte noch ernst genommen werden. Solange die Erträge offiziell in Deutschland deklariert und versteuert werden und somit alles legal ist, spricht alles für eine Abstimmung mit Füßen. Bei Interesse an Fondsdepots in Luxemburg ohne Ausgabeaufschläge:
    www.aktienfonds.com.
     

3. Fondsnews

  • DWS Vermögensbildungsfonds I erhöht das Risiko
    Der "Vermögensbildungsfonds I" ist eines der Flaggschiffe der DWS, also der größten deutschen Investmentgesellschaft und Tochter der Deutschen Bank. Über lange Jahre galt dieser Fonds als einer der TOP-Fonds für internationale Aktienanlage. In den letzten Jahren blieben die Ergebnisse jedoch etwas hinter den Erwartungen zurück. Hinzu kommt das Problem, daß der Fonds ein Volumen von fast 7,4 Mrd. EUR hat. Das macht ihn natürlich sehr schwer zu steuern.
    Um aber die Performance des Fonds zu verbessern, wurde vor wenigen Wochen die Anlagestruktur des Fonds modifiziert. Gut 5 Prozent des gesamten Fondsvermögens sind jetzt laut Bloomberg in chinesische Aktien investiert. Aber das ist noch nicht alles: Ingesamt soll der Fonds mehr in Richtung auf die Schwellenländer ausgerichtet werden. 15% sind es schon heute, so sind z.B. 5% des Anlagevermögens bereits seit Jahresanfang in brasilianischen Aktien. Eine Erhöhung des Anteils von Schwellenländeraktien auf bis zu 20% wird für nicht ausgeschlossen gehalten.
    Da bislang hauptsächlich in internationale Standardwerte, hauptsächlich aus den USA und Westeuropa, investiert wurde, bedeutet dies eine massive Erhöhung des Risikos im Fonds - eine Tatsache, die den meisten Anlegern lange verborgen bleiben dürfte. Zumindest solange, bis es zum Rückschlag kommt.
    Das heißt, die Anleger im "Vermögensbildungsfonds I" sollten sich einfach nochmal klar machen, was sie wollen. Möchten Sie das, was der Fonds in der Vergangenheit war, nämlich einen exzellenten Fonds für weltweite Standardwerte, dann sollten sie wechseln. Denn der "Vermögensbildungsfonds I" hat mit möglicherweise bald 20% Anteil von Schwellenländern ein viel höheres Risiko!

    Ein kleiner Tip für einen möglichen Wechsel: Die DWS hat den "Akkumula", einen ebenfalls hervorragenden Fonds mit internationaler Ausrichtung auf Standardwerte. Er ist in praktisch allen Kennzahlen einen Tick besser als der Vermögensbildungsfonds I und hat seine Ausrichtung auf Standardwerte bislang behalten.
    Das zeigt wieder mal sehr gut, wie wichtig die richtigen Informationen zur richtigen Zeit sind - und natürlich auch Wechselmöglichkeiten zwischen den Fonds ohne Ausgabeaufschläge. Bei Interesse daran dürfen wir ganz eigennützig auf unser Fondsportal
    www.aktienfonds.com verweisen....
     
  • Grundbesitz-Invest verliert ein Viertel seines Volumens
    Eigentlich war es ja zu erwarten: Anfang März 2006 wurde der seit Dezember 2005 geschlossene Offene Immobilienfonds "grundbesitz-invest" der Deutsche Bank Real Estate nach einer angeblich notwendigen Abwertung wieder geöffnet. Mit Spannung haben wir die Zahlen der dann aus diesem Fonds abgezogenen Gelder erwartet. Diese liegen nun vor und zeigen die Realität: Vertrauen ist der Anfang vom Ende! (vor wenigen Jahren lautete der Werbespruch der Deutschen Bank “Vertrauen ist der Anfang von allem“).
    Erwartungsgemäß haben die Anleger mit Füßen abgestimmt: Vom vor Wiederöffnung bestehenden Volumen von ca. 5,5 Mrd. EUR wurden gut 1,4 Mrd. EUR (!) innerhalb weniger Tage abgezogen. Das ist etwa ein Viertel der gesamten Gelder.
    In der Summe viel - aber trotzdem angesichts des Verhaltens der Deutschen Bank noch immer wenig. Man fragt sich doch, wieso so viele Anleger derart lethargisch alles akzeptieren, was ihnen zugemutet wird. Aber die Beschäftigung mit Finanzdingen ist nunmal für viele nicht sonderlich "sexy".
    Ingesamt hat aber die gesamte Branche der Offenen Immobilienfonds Anlegergelder verloren. Lediglich einige kleinere Fonds haben prozentuale Zuwächse zu verbuchen. Die Anleger sind also offensichtlich aus dieser Anlageklasse ganz ausgestiegen und haben nicht nur den Fonds gewechselt.
    Wen hierzu weitere Details interessieren, dem sei die Online-Publikation von Stefan Loipfinger unter
    target="_blank"www.fondstelegramm.de empfohlen!
     
  • Günther Netzer und seine "Anerkennungs für das Team"
    Seit einiger Zeit - und wohl auch im Vorgriff auch die Fußball-WM - wirbt der DIT, die Investmentgesellschaft von ALLIANZ und DRESDNER BANK mit Ex-Fußballstar Günther Netzer für ihre Produkte.
    Die Kollegen von "zins-markt intern" haben jetzt mal geschaut, was aus den von Herrn Netzer besonders beworbenen Fonds geworden ist. Das Ergebnis: Niederschmetternd!
    Zum Ende März 2006 hat der "dit-Allianz Inter-Rent Fonds A" ein Minus von -0,5% zu verbuchen. Die als Innovation angepriesenen Produkte mit "Absolute Return"-Ansatz haben noch viel schlechter abgeschnitten:
    dit-Absolute Return Allocation: 2,20% Plus seit Auflage im Juni 2003!
    dit-Absolute Return Allocation Plus: 0,77% Plus seit Auflage im Juni 2003!
    Wir erinnern uns an einen schönen alten Spruch aus der Werbung: "Vielleicht hätte er jemand fragen sollen, der sich damit auskennt!"
     

4. Versicherungsnews

  • Neuer Vorsorgekatalog veröffentlicht
    Seit drei Jahren geben wir jährlich neu unseren "Vorsorgekatalog" heraus. Auf aktuell 36 Seiten geben wir neben allgemeinen Informationen und Erläuterungen zu den einzelnen Finanz- und Versicherungsprodukten auch klare Empfehlungen z.B. zum tatsächlichen Versicherungsbedarf ab. Checklisten und hilfreiche Tips sowie eigene Internetseiten zu jedem Thema runden das Ganze ab.
    Das PDF steht zum kostenfreien Download unter target="_blank"www.vorsorgekatalog.de zur Verfügung. Einzelne Exemplare versenden wir auch gerne per Post an interessierte Privatkunden.
     
  • AXA macht Rückzieher
    In der letzten Ausgabe unseres Newsletters berichteten wir über die neue Praxis der AXA Lebensversicherung, ihre Altkunden bei Dynmikerhöhungen dadurch zu benachteiligen, daß sie nicht mehr den ursprünglichen Garantiezins von 3,25% oder 4% auf diese Erhöhungen erhalten, sondern nur noch den aktuellen niedrigeren Rechnungszins von 2,75%.
    N
    ach massiven Protesten ist die AXA auch bei dieser Verschlechterung zurückgerudert (andere Versuche zur Benachteiligung ihrer Kunden gab es bereits im Jahr 2005) und führt die Dynamikerhöhungen - wie alle anderen Versicherungen auch - zu den ursprünglichen Bedingungen durch.
    Protest hat doch seine Wirkung!
     
  • Walter Riester wirbt für Gerling
    Gerade erreichte uns ein Schreiben der GERLING Konzern Lebensversicherungs-AG, mit der das "Riestern" empfohlen wird, also der Abschluß der Riester-Rente. Natürlich nicht für uns selbst, sondern wir sollen diese unseren Kunden empfehlen.
    Es ist normal, daß Versicherungen ihre Produkte entsprechend anpreisen. Neu dabei aber ist, daß ein (ungerichtetes) Schreiben des nur bedingt erfolgreichen Ex-Arbeitsministers und Namensgebers dieser Vorsorgeform, Walter Riester beiliegt. Einige Absätze sind es wert, zitiert zu werden:
    "damals wie heute war ich davon überzeugt, dass die von mir eingeführte kapitalgedeckte Altersvorsorge sich dauerhaft durchsetzen wird." Oho! Dann der Offenbarungseid der Sozialpolitik: "Selbst wenn erworbene Rentenansprüche sicher sind, wird ihre Höhe nicht ausreichen, um den Lebensstandard dauerhaft zu sichern. Hinzu kommt, dass die Rentenansprüche - wenn überhaupt - weniger steigen als in der Vergangenheit und ein immer höher werdender Teil der Besteuerung unterworfen ist."
    Und damit zu seinem Schluß: "Damit immer mehr Menschen sich eine gesicherte finanzielle Basis im Alter schaffen können, möchte ich Sie ermuntern, die Altersvorsorge im Rahmen der Riester-Rente Ihren Kunden zu empfehlen."
    So spricht Riester für Riester - was das Ganze aber auch nicht wirklich besser macht. Die konzeptionellen Schwächen sind nämlich erheblich.

    Nochmal kurz das Prinzip:
    Die Riester-Rente ist nachgelagert besteuert, also alle Auszahlungen sind steuerpflichtig. Dafür sind alle Einzahlungen (im Rahmen der Höchstbeträge) steuerlich absetzbar. Soweit ein in sich geschlossenes Konstrukt. Von staatlicher Förderung kann man hier ja wirklich nicht sprechen, da es nur ein anderes Modell der Besteuerung (nachgelagert statt vorgelagert) ist.
    Eine echte staatliche Förderung gibt es aber nur dann, wenn die zusätzlichen Zulagen höher sind als der steuerliche Vorteil im Jahr der Einzahlung. Denn nur dann wird mehr Vorteil gewährt als steuerlich als Gegengewicht zur nachgelagerten Besteuerung notwendig ist.
    Wer aber gut verdient und durch keine Kinder eine nur niedrige Zulage erhält, für den kommt nur der Steuervorteil zum Tragen. Der aber ist notwendig, damit die nachgelagerte Vollbesteuerung ausgeglichen wird.
    Und damit können wir in diesen Fällen beim besten Willen nicht von einem staatlich geförderten Produkt sprechen. Korrekt wäre es, gäbe es die Zulagen unabhängig von der steuerlichen Betrachtung - aber für handwerklich saubere Arbeit war eben auch Ex-Minister Walter Riester nicht unbedingt bekannt.
     
  • Standard Life hat Konditionen festgelegt
    Die britische Versicherung STANDARD LIFE will sich bekanntlich von einem Versicherunsgverein auf Gegenseitigkeit (englisch "Mutual") in eine Aktiengesellschaft umwandeln. Damit möchte man die Eigenkapitalbasis stärken, um die neuen Regelungen nach "Solvency II" (das ist das "Basel II" im Versicherungsbereich) besser zu erfüllen und die Expansion vorantreiben zu können.
    Damit diese Umwandlunga aber auch tatsächlich stattfindet, müssen 75% der Versicherten der Maßnahme zustimmen. Und sicherlich nicht jedem dürfte das Recht sein - denn die Versicherungsvereine gehören ja nur ihren Mitgliedern und müssen keine Aktionärsinteressen bedienen. Das führt tendenziell zu etwas höheren Leistungen für die Versicherten. Andererseits kann es natürlich im Sinne der Versicherten sein, wenn das Unternehmen kapitlstärker und damit sicherer wird.
    Um die Zustimmung der Versicherten zu erreichen, wird ihnen eine Entschädigung für die Aufgabe ihrer Vereinsmitgliedschaft angeboten (die Versicherungsverträge werden aber natürlich unverändert weitergeführt!). Diese Entschädigung soll mindestens 185 Aktien betragen und durch variable Zuteilungen eher noch mehr. Als Preis pro Aktie werden zwischen 3,46 EUR und 4,18 EUR anvisiert. Somit könnte jedes Mitglied mit einer Entschädigung zwischen 640 und 773 EUR rechnen.
    Ob das ausreicht, um wirklich 75% der Stimmen zu bekommen, sei hier mal dahingestellt. Alle Mitglieder haben in den letzten Wochen umfangreiche (und teilweise extrem schwer lesbare) Informationen von der STANDARD LIFE zugeschickt bekommen - natürlich auch die deutschen Mitglieder. Abstimmungs- und entschädigungsberechtigt sind aber nur diejenigen, die vor dem Beschluß auf Umwandlung im März 2004 bereits bei der STANDARD LIFE versichert waren.
    Am 31. Mai 2006 wird in der außerordentlichen Mitgliederversammlung abgestimmt (unter Berücksichtigung der "Briefwähler"). Wir sind sehr gespannt, ob die Mehrheit der abgegebenen Stimmen wirklich zustimmt.

    Unser Tip auf das Ergebnis: Es erfolgt eine ganz knappe Zustimmung, da mindestens 75% der abgegebenen Stimmen dafür sein müssen - und angesichts der unverständlichen Unterlagen rechnen wir zumindest in Deutschland mit nur minimaler Beteiligung. Das würde einen großen Vorteil für die anwesenden Befürworter bedeuten.
    Wie es in England aussieht, können wir nicht beurteilen. Aber gefühlsmäßig schätzen wir, daß die meisten Versicherten doch eher einen Versicherungsverein statt einer Aktiengesellschaft bevorzugen – was die 75% Zustimmungsquote doch fraglich werden lassen kann. Aber das sind ohnehin alles Spekulationen - über das Ergebnis werden wir in der Ausgabe Juni 2006 (erscheint Anfang Juli) berichten.
     

5. Renten- und Sozialversicherungsnews

  • Gesundheitsreform?
    Wie auch immer die Diskussion über die anstehende Gesundheitsreform ausgeht, gut wird es sicherlich für niemanden werden. Jetzt hat Regierungssprecher Ulrich Wilhelm die Privaten Krankenversicherungen beruhigt, die um ihre Existenz fürchten: "Niemand in der Bundesregierung denkt daran, die private Krankenversicherung abzuschaffen."
    Ob er sich aber damit auch auf die Vollversicherung oder nur auf die Zusatzversicherung bezieht, ist zumindest uns bislang verborgen geblieben. Aber wie schon Walter Ulbricht sagte: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten"...

    In diesem Zusammenhang eine erschreckende interne Studie des Bundesgesundheitsministeriums: In Hause von Ulla Schmidt zu arbeiten macht offensichtlich krank! Demnach waren im Jahr 2004 durchschnittlich 5,62% der Beschäftigten krank. Jeder Mitarbeiter fehlte durchschnittlich 14,12 Tage.
    Zum Vergleich: In der Privatwirtschaft betrug der durchschnittliche Krankenstand im Jahr 2004 nur 3,38% bzw. 7 Tage Fehlzeit.
     
  • Rentenreserve trotz mehr Beiträgen unverändert
    Fast hätten wir diese kleine Meldung aus dem März 2006 vergessen: Seit diesem Jahr sind die Arbeitgeber verpflichtet, die Sozialabgaben ihrer Mitarbeiter schon einen Monat früher als bisher abzuführen. Das bringt den Rentenkassen insgesamt einmalig eine zusätzliche Monatseinnahme in Höhe von rund 9,6 Mrd. EUR.
    Diese Summe wird jedoch nicht auf einen Schlag fällig, sondern kann auf mehrere Monate gestreckt werden. Für den Februar war es eine Milliarde mehr - und diese wurde gleich wieder durch Rentenzahlungen verbraucht! Erkennbar an der Reserve der Gesetzlichen Rentenversicherung, die stagniert. Das zeigt mehr als deutlich, wie sehr Ein- und Auszahlungen der Gesetzlichen Rente auseinanderklaffen!
     

6. Rechts- und Steuernews

Geschlossene Fonds nicht für Altersvorsorge geeignet
Geschlossene Fonds sind nach einem Urteil des OLG Stuttgart für die Altersvorsorge nicht geeignet. So lautete zumindest ein Urteil (Az. I-6U 84/05) gegen einen Vermittler. Dieser hatte Anteile des Fonds von Dr. Hanne "City-Residenz Am Krökentor" an einen Kunden verkauft, der eine Altersvorsorge wollte. In der Fachpresse, so z.B. bei Stefan Loipfinger, wurde dieser Fonds schon im Jahr 1996 negativ bewertet.
Das Urteil aber ging noch weiter und stellte grundsätzlich fest, daß auch ein tatsächlich erfolgter Hinweis auf das mögliche Totalverlustrisiko unerheblich ist - ein Geschlossener Immobilienfonds sei per se nicht für das Anlageziel Altersvorsorge geeignet.
Dieses Urteil kann in der Praxis weitreichende Folgen haben, gerade im Vertrieb von Anteilen Geschlossener Immobilienfonds. Denn in der Praxis heißt das, daß niemand mehr Geschlossene Immobilienfonds anbieten oder vermitteln dürfte, wenn auch nur ansatzweise von Altersvorsorge die Rede ist. Da darf dann schon mal die Frage nach der Realitätsnähe gestellt werden.
Im "Fondstelegramm" zieht Stefan Loipfinger dazu folgendes Fazit: "Anleger mit dem Motiv der Altersvorsorge sind nur dann für geschlossene Fonds geeignet, wenn sie schon ausreichend sichere Anlagen haben und besonders deutlich über die Risiken aufgeklärt werden".
Das ist sicherlich realistisch und letzten Endes wohl auch ziemlich gerichtsfest. Jetzt aber bleibt erstmal abzuwarten, wieviele Anleger mit Hinweis auf dieses Urteil ihre Berater / Vermittler haftbar machen werden!
 

7. Und dann war da noch...

die neuentdeckte Liebe der Politik zu den Heuschrecken. Ziemlich genau ein Jahr nachdem der damalige SPD-Chef Franz Müntefering einige internationale Investoren als "Heuschrecken" diffamiert und eine extrem marktfeindliche Rede gehalten hat, wurden diese von der von ihm selbst mitgeführten Regierung in aller Öffentlichkeit rehabilitiert: Der US-Investor BLACKSTONE kauft von der Staatsbank KfW (also von der Bundesrepublik Deutschland) 4,5% der Deutschen Telekom. Das entspricht einem Wert von 2,68 Mrd. Euro.

Münteferings Parteigenosse, Finanzminister Peer Steinbrück, lobte die Heuschrecke dann auch als "strategischen Investor, der an langfristiger Wertsteigerung und Wertschöpfung interessiert ist".

Tja, aber was interessiert schon die Aussage von gestern? Solange sie bei der Wahl geholfen hat....

 

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