| ALTERNATIV: Den Newsletter im lesefreundlichen PDF-Format herunterladen Die Themen des Monats: 1. TOP-Thema: Die Investmentkrise 2. Finanznews 3. Fondsnews 4. Versicherungsnews 5. Renten- und Sozialversicherungsnews 6. Rechts- und Steuernews 7. Und dann war da noch... -------------------------------------------------------------------------------
1. TOP-THEMA: Die Investmentkrise Wenn man die Schlagzeilen vieler Publikationen ernstnehmen würde, dann könnten einem als Otto-Normal-Anleger ganz schön die Knie schlackern -
nicht nur die täglichen Kursrückgänge werden ausführlichst beschrieben, sondern geradezu eine Krise der gesamten Weltwirtschaft prognostiziert. Eine sonst eher für ihre Seriösität bekannte Zeitung verstieg sich sogar zu der Behauptung, die Altersvorsorge für viele "verloren". Räumen wir also mal das ganze, nur auf Aufmerksamkeitsgewinnung ausgerichtete Blätterrauschen beiseite und schauen
uns an, was eigentlich momentan mit den Märkten wirklich los ist. Vereinfacht gesagt folgendes: In den USA werden Immobilien ganz anders finanziert als hierzulande. Unsere üblichen 10-Jahres-Zinsbindungen und konservativen ca. 80%-Beleihungen von solide für Jahrzehnte wenn nicht gar Jahrhunderte gebauten Häusern gibt es dort nicht. Ganz im Gegenteil: Die Häuser in den USA sind zum allergrößten Teil
Holzkonstruktionen, die mit variablem Zinssatz finanziert werden (sogenannte "adjustable rate mortgages"). In der letzten Niedrigzinsphase war das äußerst attraktiv für die Häuslebauer, da man nur wenig Zinsen zahlen mußte. Hinzu kommt ein unstillbarer Konsumhunger. Zur Finanzierung desselben reichen die Einkommen nicht mehr aus, deshalb wird auf Pump gekauft. Um weitere Kreditlinien zu erhalten, wird auch die Immobilie (in den USA sind die meisten Haushalte auch
Immobilienbesitzer) eingesetzt. Die Banken finanzieren nun nicht nur den aktuellen Wert der Immobilie, sondern sogar eine für die Zukunft vorausgesagte Wertsteigerung gleich mit! Das heißt, es werden nicht 80% des Wertes, sondern z.B. 110% finanziert. Die 10% mehr stehen für den Konsum zur Verfügung und werden auch gleich ausgegeben. Solange die Preise für Immobilien weiter steigen, geht das auch gut. Aber nun passierte folgendes:
Die Zinsen in den USA sind gestiegen. Durch die variable Verzinsung ihrer Finanzierungen waren nun aber gerade einkommensschwächere US-Bürger (sogenannte "Subprimes") nicht mehr in der Lage, die monatlichen Raten für das Darlehen zu bedienen. Die Folge: Es kam in ungekannt vielen Fällen zur Zwangsverwertung - sprich dem Verkauf der Immobilie durch den Darlehensgeber. Da durch die Zinserhöhungen der Zentralbank sehr viele Häuslebauer gleichzeitig von den höheren Darlehenszinsen
betroffen waren und somit sehr viele Immobilien gleichzeitig verwertet wurden, kam es zu einem massiven Überhang des Angebots. Die zwangsläufige Folge: Die Preise für Immobilien sanken drastisch! Die finanzierenden Banken aber hatten ja bereits mehr als den eigentlichen Wert finanziert - und nun sollten sie nochmal ganz erheblich weniger bekommen! Was im Einzelfall noch tragbar wäre, scheiterte schier an der Masse der Fälle. So wurden schnell einige der großen Immobilienfinanziers - gerade
solche für zweitklassige Bonitäten, eben "Subprimes" - insolvent! Bis hierhin ist das Ganze noch ziemlich logisch nachvollziehbar. Eigentlich hätte es eine rein auf die USA beschränkte Krise und dort auch nur im Bereich der Immobilienfinanzierung (vielleicht noch im Bereich der Verbraucherdarlehen) bleiben können.
Jetzt aber kommen wir zu den internationalen Verwerfungen des modernen Finanzmarktes: Um sich zu refinanzieren, also Mittel für die Vergabe neuer Kredite zu bekommen, haben die Immobilien finanzierenden Banken die Forderungen (sogenannte "mortgages") verkauft. Konkret wurden viele mehr oder weniger vergleichbare Kredite gebündelt und in einem Wertpapier verbrieft. Dieses Bündel wurde nun von einer Ratingagentur analysiert und auf die Ausfallwahrscheinlichkeit geprüft. Je geringer
nach Ansicht der Ratingagentur die Ausfallwahrscheinlichkeit, desto höher das Rating. Dieses ging bis zum bestmöglichen AAA-Rating hoch! Mit dem jeweiligen Rating wurden diese Papiere mit dem Namen "Mortgage-Backed-Securities" (MBS) nun am Kapitalmarkt platziert. Der Deal: Der Käufer gibt Geld und bekommt damit z.B. 1.000 Kredite. Diese werden mit einem bestimmten Zinssatz bedient und sollen am Ende vom Schuldner zurückgezahlt werden. Das sind sehr klare und kalkulierbare
Zahlungsströme, bei denen eigentlich nur das Ausfallrisiko (also die Pleite des Finanzierten) berücksichtigt werden muß. Danach bestimmt sich der Preis, der für das Papier gezahlt wird. Die verkaufende Bank bekommt somit ihr Geld sofort plus einer Gewinnmarge und kann damit gleich wieder neue Kredite vergeben. Mit diesen macht sie das Gleiche und hat somit kein Geld langfristig gebunden, sondern sofort einen Gewinn realisiert. Scheinbar eine Win-Win-Situation. Denn der Käufer solcher "Mortgage-Backed-Securities" hat vermeintlich sichere Zahlungen, die von den Ergebnissen und Schwankungen des Kapital- und Rentenmarktes fast vollständig unabhängig sind und eine höhere Rendite bringen. Das machte sie hochattraktiv und sie wurden nicht nur in Millionen-, sondern sogar in Milliardentranchen weltweit aufgekauft. Käufer waren alle, die am
internationalen Finanzmarkt mitspielen: Banken, Versicherungen, Pensionsfonds, Investmentfonds, Hedgefonds, etc. Auch soweit noch nicht ganz dramatisch. Doch nun wird die Sache richtig komplex: Viele Käufer solcher MBS-Papiere haben diese wiederum gebündelt und ihrerseits weiterverkauft. So konnte es sogar passieren, daß das ursprünglich Kredite ausgebende Institut diese via mehrere Ecken und
Papier-im-Papier wieder zurückkaufte - aber meist ohne das zu wissen! Denn natürlich war eine Transparenz nicht mehr gegeben. Die nächste Stufe war nun eine noch weitere Änderung: Im Normalfall sind in einem solchen MBS-Papier Kredite gleicher Laufzeit gebündelt. Damit ist klar, wann die Rückzahlung erfolgt. Nun sind aber Käufer solcher MBS-Papiere hingegangen und haben darauf basierende sehr kurzlaufende Papiere zur Refinanzierung ausgegeben. Das heißt, sie haben ein eigenes Papier
daraus gemacht, das aber nicht wie das ursprüngliche MBS-Papier z.B. 5 Jahre läuft, sondern nur 3 oder 6 Monate. Dieses Instrument sind dann "Commercial Papers" mit dem Namen "Collateralized Debt Obligations" (CDO). Der Vorteil: Man hat sich sofort refinanziert und muß dafür weniger Zinsen an den Käufer bezahlen als man selbst damit verdient. Ein klassisches Zinsdifferenzgeschäft. Doch
nun brach aufgrund der Krise der Häuslebauer in den USA auf einmal die Nachfrage nach den kurzlaufenden CDOs ein. Diese liefen und laufen aus und jetzt merken die Herausgeber, welches Risiko sie eingegangen sind: Sie bekommen nämlich keine neuen CDOs mehr am Markt platziert. Die Folge: Sie können sich nicht refinanzieren! Die eigentlichen MBS-Papiere aber hatten sie nicht mit eigenem Geld gekauft, sondern bereits mit künftigen Verkaufserlösen der eigenen CDOs. Das bekamen sie aber nicht mehr
und mussten damit die MBS-Papiere in die eigenen Bücher nehmen. Doch wovon? Denn soviel Eigenkapital hat auch keine Bank! Und die Käufer schon gar nicht. Denn das waren oft nicht einmal diejenigen, die nach festen Zinserträgen gesucht haben. Nein, es waren oft extra für solche Zinsdifferenzgeschäfte gegründete Zweckgesellschaften, sogenannte "Conduits". Diese hatten nur die Aufgabe, Erträge durch Einkauf von Papieren und sofortige erneute Verbriefung wie oben beschrieben zu
generieren. Kapital hatten sie meist keines, sondern nur Patronatserklärungen der Muttergesellschaften (z.B. Banken). Und damit begann der unsägliche Kreislauf, in dem wir momentan drinstecken: Die CDOs sind nicht mehr platzierbar. Die Conduits aber müssen das Geld für die bereits gekauften und längerfristig laufenden MBS-Papiere irgendwie aufbringen. Gleichzeitig aber verlieren die MBS-Papiere
an Wert, da immer mehr der eigentlichen Kreditnehmer insolvent werden und ausfallen. Durch die Patronatserklärungen sind die Muttergesellschaften aber verpflichtet, die Gelder aufzubringen. Diese haben aber nie damit gerechnet, daß es eines Tages tatsächlich dazu kommen könnte. Also, woher das dringend benötigte Geld nehmen? Man könnte sie sich wieder von anderen Banken leihen, was absolut üblich ist. Doch die Banken wissen selbst sehr genau, welche unkalkulierbaren Risiken sie selbst und
ihre Branche eingegangen sind. Die Folge: Sie trauen einander nicht mehr und verleihen anderen Banken kein Geld. Die sonst übliche Interbanken-Ausleihe trocknet damit aus, jeder hütet sorgsam sein Geld und gibt es nicht mehr her. Doch die Wirtschaft lebt vom Umschlag des Geldes und von den vorhandenen Finanzierungsmitteln. Wenn die Banken das aber nicht mehr ausleihen, weil sie es selbst nirgendwo
mehr her bekommen, dann haben wir eine ganz ausgewachsene Banken- und Wirtschaftskrise! Denn stellen wir uns nur mal vor, eine deutsche Großbank wäre nicht mehr in der Lage, ihren Verpflichtungen nachzukommen oder Sparern ihr Geld nicht mehr auszuzahlen. Die Folgen wollen wir uns besser nicht vorstellen! Um genau diese zu verhindern, sind nun die Zentralbanken - allen voran die US-amerikanische FED
und die europäische EZB - auf den Markt getreten: Sie haben ganz kurzfristig Milliarden Euro für Ein-Tages-Ausleihen den Banken zur Verfügung gestellt, in der Spitze waren es bei der EZB sogar ca. 100 Mrd. EUR am 09.08.2007. So konnten sich die Banken das benötigte Kapital doch noch besorgen und ein Zusammenbruch - z.B. durch Zahlungsunfähigkeit - konnte damit verhindert werden. Dabei war es das Ziel der Zentralbanken, dem Markt durch die Liquidität Vertrauen in die gegenseitige
Zahlungsfähigkeit wieder zurückzugeben und so letzten Endes den Interbankenhandel wieder zu stabilisieren. Das ist übrigens bis heute noch immer nicht ganz gelungen! So langsam versteht man, warum sich eine eigentlich so kleine Krise derart global auswirkt. Wobei klein relativ ist: Die deutsche IKB IndustrieKreditBank, ein eigentlich nur mittelgroßes Institut zeigt, welche Volumina bewegt wurden:
Von ihrem irischen Conduit "Rhineland Funding" wurden so viele Mittel benötigt, daß ein Zusammenbruch dieses Instituts kurz bevor stand. Nur durch eine konzertierte Aktion der deutschen Banken und der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), der die IKB zu 38% gehört, konnte das kurzfristig verhindert werden. Dazu wurden 3,5 Mrd. EUR zur Verfügung gestellt - plus dem Eintritt der KfW (somit also indirekt des deutschen Steuerzahlers!) in eine Kreditlinie der IKB über 8,1
Mrd. EUR für den Rhineland. Auch der am letzten Wochenende ganz unerwartet schnelle Verkauf der SachsenLB (sächsische Landesbank) an die LBBW (Landesbank Baden-Württemberg) steht in diesem Zusammenhang: Die SachsenLB hat über ihr Conduit "Ormond Quay" insgesamt 3,5 Mrd. EUR in US-Subprimes investiert (der "Ormond Quay" ist nebenbei bemerkt ca. 17,3 Mrd. EUR schwer). Diese Ausfallrisiken konnte die SachsenLB wohl alleine nicht mehr schultern und so scheint es zu dieser
kurzfristigen Übernahme und damit natürlich auch Liquiditätsspritze gekommen zu sein. Wohlgemerkt: Wir reden hier nur von zwei mittelgroßen Instituten und schon über ein Volumen im zweistelligen Milliarden (!) Bereich. Stellen wir uns nun mal vor, welche Risiken da noch bei den wirklich großen internationalen Finanzhäusern in den Büchern stehen dürften! Alleine die kurzfristigen Verbriefungen
(CDOs) auf Basis von MBS-Papieren dürften nach einer Schätzung des Investmenthauses Lehmann Brothers ca. 1.200 Mrd. US-Dollar betragen. Kein Wunder, wenn man es angesichts dieser Größenordnung doch ein wenig mit der Angst zu tun bekommt. Doch wie trifft all das den Otto-Normal-Anleger? Auf verschiedene Weise. Nun gibt es bespielsweise spezielle Fonds für verbriefte Forderungen, sogenannte
"Asset-Backed-Securities" (ABS). Zu dieser Gattung gehören auch die speziellen Hypothekenverbriefungen MBS. Obwohl die meisten ABS-Fonds keine oder nur minimal MBS im Portfolio haben, kam es zu einer Panikreaktion von Anlegern, die diese Papiere schnell abstoßen wollten. Das natürlich führte zu einem massiven Preisverfall, der an sich nicht gerechtfertigt war. Die sinnvolle Konsequenz: Die meisten Fondshäuser haben die Rückgabe von ABS-Fonds vorübergehend ausgesetzt, um eine
Panikreaktion der Märkte zu verhindern. Aktuell werden die Fonds nach und nach wieder geöffnet, da sich die Märkte zu stabilisieren scheinen und die eigentlich betroffenen MBS nicht oder nur gering in diesen Fonds enthalten sind. Viel problematischer aber wird es, wenn nach und nach tatsächlich US-Hypothekenbanken und weitere Finanzhäuser pleite gehen sollten! Davon betroffen sind zunächst einmal die Käufer von Inhaber-Schuldverschreibungen dieser Häuser, also von Festverzinslichen
Wertpapieren. Jeder Investor ist jetzt mehr als gut beraten zu schauen, was er im Depot liegen hat! Und praktisch unkalkulierbar wird die Situation für die Käufer von Zertifikaten! Anders als bei Aktienfonds zum Beispiel sind Zertifikate Gläubigerpapiere - der Käufer hängt also von der Bonität des emittierenden Instituts ab. Sollte nun ein in der Auflage von Zertifikaten sehr aktives Institut auch im MBS-Bereich oder gar im CDO-Bereich stark engagiert sein - was nebenbei gesagt äußerst
wahrscheinlich ist - und käme es dabei zu einer Pleite dieser Bank bzw. dieses Investmenthauses, dann wären im schlimmsten Fall auch die Zertifikate wertlos! Unser dringender Rat heute mehr denn je: Statt vom Risiko (Emittentenrisiko!) her unkalkulierbare Zertifikate gehören vernünftige Aktienfonds in die Depots! Diese haben wie Zertifikate natürlich auch ein Kursrisiko,
das ist klar. Aber sie sind Sondervermögen und somit auch bei einer Pleite der Fondsgesellschaft ganz sicher im Eigentum des Anlegers. Und diese Überlegung ist heute wichtiger denn jemals zuvor! 2. Finanznews
- Wann ist Anlageberatung erlaubnispflichtig?
Zum 01.11.2007 tritt in Deutschland die MiFID (Markets in Financial Instruments Directive) in Form des "Finanzmarktrichtlinie-Umsetzungsgesetz" in Kraft. Diese führt zu einer umfassenden Neuregelung der Anlageberatung und Investmentvermittlung.
Einer der wesentlichsten Punkte: Die gewerbliche Anlageberatung (auch
ohne Vermittlungsabsicht) wird ab diesem Tag genehmigungspflichtig - etwa so wie die Versicherungsvermittlung oder Versicherungsberatung seit dem 22.05.2007. Das bedeutet, daß ab November 2007 nur noch ausdrücklich lizensierte Berater eine allgemeine Anlageberatung erbringen dürfen. Alle anderen machen sich strafbar! Und wie wir die Finanzdienstleistungsaufsicht kennen, wird sie dies intensiv beobachten und wohl auch streng ahnden. Eine umfassende Anlageberatung zu allen denkbaren Anlagen
("Finanzinstrumenten") kann dann nur noch von Personen und Unternehmen vorgenommen werden, die - als Finanzdienstleistungsinstitut gem. §32 KWG gelten (mit umfangreichen Eigenkapital- und Berichtspflichten, Mitgliedschaftspflicht im Einlagensicherungsfonds, etc.) oder - sich einem "Haftungsdach" eines solchen Finanzdienstleistungsinstituts angeschlossen haben - also praktisch wie ein Handelsvertreter desselben agieren und dieses dafür haftet.
Allen anderen Personen ist die Anlageberatung untersagt. Ausnahme: Sie vermitteln ausschließlich Offene oder Geschlossene Fonds aller Art. Dann, und nur dann, reicht auch weiterhin die Genehmigung nach §34c der Gewerbeordnung.
Nun aber kam die Diskussion auf, wo z.B. für einen Fondsberater die Beratungsfreiheit endet bzw. wann er als Anlageberater gilt. Darf er z.B. einem Kunden empfehlen, seine Telekom-Aktien zu verkaufen, um davon einen Fonds zu erwerben? Die Bundesanstalt für
die Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) hat zusammen mit der Deutschen Bundesbank nun ein gemeinsames Informationsblatt zur Anlageberatung herausgebracht, das hierüber ausführlich aufklärt. Es ist online abrufbar unter http://www.bafin.de/merkblaetter/070724_anlageberatung.pdf und jedem in der Branche Tätigen dringend zur Lektüre ans Herz zu legen! Und um die obige Diskussionsfrage zu beantworten: Nein, der Fondsvermittler darf diese Empfehlung nicht geben! Hier muß der Kunde schon konkret zu ihm kommen und beabsichtigen, die Telekom-Anteile zu verkaufen - dann darf der Fondsberater ihm entsprechend zum Portfolio und der Risikobereitschaft passende Fonds empfehlen.
3. Fondsnews - Damoklesschwert über Auslands-Immobilienfonds?
Viele
Auslands-Immobilienfonds haben sich in der Vergangenheit besonders deswegen gerechnet, da die Besteuerung der dortigen Erträge keinen oder nur geringen Steuern unterliegt. Grund dafür sind die sogenannten "Doppelbesteuerungsabkommen" mit Deutschland, durch die nationale Freibeträge verschiedener Länder genutzt werden können. Doch laut der Financial Times Deutschland plant die Bundesrepublik Deutschland die "Generalrevision" aller Doppelbesteuerungsabkommen, die man nun
"kritisch unter die Lupe" nehmen wolle. Da es hier keinerlei Bestandsschutz für Investoren gibt, manche Fondskonstruktionen aber Jahrzehnte lang laufen, besteht hier unter Umständen das Risiko einer merklichen Verschlechterung der Situation. Wer bereits investiert ist, kann sicherlich schwerlich etwas dagegen tun. Bei Neuanlagen sollte aber mit einer gewissen Vorsicht an die Sache herangegangen werden!
4. Versicherungsnews - Betriebliche Altersversorgung zunächst gerettet
Die Betriebliche Altersversorgung stand auf der Kippe: Aufgrund eines schon einige Jahre alten Gesetzes sollte ab dem Jahr 2009 eine Sozialabgabenpflicht auf die Betriebliche Altersvorsorge (BAV) eingeführt werden (wir berichteten). Sollte, denn nunmehr hat das Bundeskabinett eine Änderung dieses Gesetzes beschlossen: Damit bleiben die Einzahlungen in die Betriebliche Altersvorsorge im Rahmen gewisser Grenzen zunächst unbegrenzt frei von Sozialabgaben! Die Auszahlung dagegen
unterliegt ebenfalls unverändert der Sozialabgabenpflicht, aber es wird eine doppelte Abgabe vermieden. Gerade letzteres drohte nämlich, der Betrieblichen Altersvorsorge den Garaus zu machen - warum sollte jemand in dieser Form für das Alter ansparen, wenn diese Vorsorge doppelt (und damit eventuell verfassungswidrig?) mit Sozialabgaben belegt wird?
Angesichts dieser trüben Aussichten waren die Umsatzzahlen in der Betrieblichen Altersvorsorge, dem kürzlich noch als Wachtumsmotor
der Lebensversicherung hochgelobten Bereich, massiv eingebrochen. Noch dazu fürchteten viele Marktteilnehmer Haftungsrisiken, da sie in den letzten Jahren diese Form der Vorsorge massiv verkauft, aber den Hinweis auf die gesetzlich längst beschlossene Verschlechterung ab dem Jahr 2009 schlicht "vergessen" hatten... Das aber ist hinfällig und die Versicherungsbranche hofft, in der BAV zu alten Werten zurückkehren zu können. - Versicherungen erfolgreiche Kapitalanleger
Oft wird die klassische Kapital-Lebensversicherung bzw. Private Rentenversicherung als Renditekiller (vor)verurteilt. Obwohl jedem intelligenten Menschen klar sein sollte, daß man eine konservative Anlage mit umfangreicher Garantiekomponente niemals mit den - wie wir gerade aktuell sehen - schwankungs- und risikoreicheren Aktienanlagen mit ihren unbestritten hohen
Renditechancen vergleichen kann, wird in kaum einem anderen Bereich derart engagiert eine massive "Verteufelung" betrieben. Um hier endlich mal etwas Sachlichkeit hineinzubringen hat Prof. Dr. Peter Albrecht von der Universität Mannheim (http://insurance.bwl.uni-mannheim.de/albrecht.html) die Erfolge der Kapitalanlagen deutscher Lebensversicherungen analysiert. Dazu vergleicht er die Ergebnisse der Lebensversicherer mit Alternativanlagen im DAX (Deutscher Aktienindex) und REXP (Deutscher Rentenindex auf Performancebasis, also Index für Festverzinsliche Wertpapiere) der Jahre 1980 bis 2006. Besonders berücksichtigt werden dabei gerade die Risiken und Volatilitäten, also Schwankungsbreiten.
Dazu einige Ergebnisse dieser Studie in Kürze: Die Nettoverzinsung der deutschen Lebensversicherungen weist - trotz der in den letzten Jahren erfolgten Absenkung auf ein Niveau von ungefähr 5% - über den Gesamtzeitraum insgesamt eine sehr stabile und dabei schwankungsarme Entwicklung (Volatilität) auf. Die Renditeentwicklung des Index REXP geht - bei vergleichbarer mittlerer Rendite - einher mit deutlich höheren Schwankungen. Der DAX dagegen zeigt sowohl starke kurzfristige Wertgewinne
als auch starke kurzfristige Verluste. Das bei einem DAX-Investment relativ zusätzlich eingegangene Risiko kann somit durchweg nicht (!) durch die höhere mittlere DAX-Rendite ausgeglichen werden, was laut Prof. Albrecht die extrem zeitstabile Entwicklung der Kapitalanlagerendite der Lebensversicherer zeigt. Sein Fazit: "Pro Einheit eingegangenem Risiko erzielen die Lebensversicherer im Rahmen ihrer Kapitalanlage im Vergleich zu DAX bzw. REXP nach wie vor die höchste Rendite."
Dazu einige Kennzahlen seiner Arbeit: a) Entwicklung 1980 - 2006 Lebensversicherung: Renditemittelwert 7,2% pro Jahr Volatilität (Schwankungsbreite): 1,1% DAX: Renditemittelwert 10,8% pro Jahr Volatilität (Schwankungsbreite): 28,1% REXP: Renditemittelwert 7% pro Jahr
Volatilität (Schwankungsbreite): 5,3%
b) Entwicklung 1997 - 2006 Lebensversicherung: Renditemittelwert 6,3% pro Jahr Volatilität (Schwankungsbreite): 1,4% DAX: Renditemittelwert 8,6% pro Jahr Volatilität (Schwankungsbreite): 28,9% REXP:
Renditemittelwert 4,8% pro Jahr Volatilität (Schwankungsbreite): 3,3%
Man erkennt somit sehr deutlich, daß die Lebensversicherungsanlagen das mit Abstand geringste Risiko aufweisen und dabei eine sogar bessere Rendite als Festverzinsliche Wertpapiere haben! Da in einer Lebensversicherung klassischer Form de facto ca. 80% oder mehr Festverzinsliche Wertpapiere enthalten sind, muß man genau diese auch zum Vergleich
heranziehen. Wer Aktienanlagen mit ihren Renditechancen nutzen will, für den ist die klassische Lebensversicherung ohnehin kein passendes Produkt. Er geht aber dabei ganz bewußt Kapitalmarktrisiken ein, die sich in einer erheblichen Schwankungsbreite (Volatilität) zeigen. Die Studie incl. sehr aussagekräftiger Graphiken ist zu finden unter http://kURL.de/kapitalanlageergebnis und bestätigt eindrucksvoll unsere Berichterstattung und Meinung zum Produkt der klassischen Lebensversicherung.
- Beitragsänderungen in der Privaten Krankenversicherung
In den nächsten Monaten, vorrangig wohl zum 01.01.2008 wird es einige Beitragsänderungen in der Privaten Krankenversicherung geben. Dafür gibt es zwei Gründe:
a) Neue Sterbetafeln Die Versicherungsaufsicht hat neue sogenannte "Sterbetafeln" veröffentlicht. Diese zeigen, wie
lange wir voraussichtlich (länger) leben werden. Da gerade in der Krankenversicherung in den letzten Lebensjahren die höchsten Kosten verursacht werden, führt eine Lebensverlängerung zu höheren Gesamtkosten während einer Vertragslaufzeit. Und diese Mehrkosten müssen auf die verbleibende Vertragsdauer zwar abgezinst, aber doch grundsätzlich linear verteilt werden. Die Folge sind Beitragserhöhungen.
b) Schwangerschaftskosten auch für Männer Eine Folge des neuen "Allgemeines
Gleichbehandlungsgesetz" (AGG) ist, daß Schwanger- und Mutterschaftskosten von Frauen künftig sowohl von Frauen als auch Männern der jeweiligen Versicherungsgemeinschaft getragen werden müssen. Konkret heißt das, daß künftig auch Männer die Schwangerschafts- und Mutterschaftskosten mitfinanzieren müssen. Dazu wird je Tarif (!) geschaut, wie die Verteilung von Männern und Frauen ist und danach berechnet sich ein neuer Beitrag spätestens ab dem 01.01.2008. Die Folge: Grundsätzlich
zahlen Männer künftig mehr und Frauen künftig weniger. Da aber mehr Männer als Frauen privat krankenversichert sind, wird es zu keinen drastischen Änderungen kommen. Bei Tarifen, in denen so gut wie keine Frauen versichert sind, bleibt somit fast alles beim Alten! Dazu ein Beispiel der AXA Krankenversicherung im Tarif "EL": Änderung im Alter 34 Jahre: Mann: + 4,19% Frau: - 11,27% Änderung im Alter 40 Jahre:
Mann: + 0,97% Frau: - 2,54% Übrigens: Anders als bei "normalen" Beitragserhöhungen gibt es aufgrund des Zwanges durch das AGG hier kein Sonderkündigungsrecht! - Finanztest und Berufsunfähigkeitsversicherung
Vor knapp einem Jahr hatten wir über die Zeitschrift Finanztest (Stiftung Warentest) und ihren - freundlich gesagt - sehr unzureichenden Vergleich von Berufsunfähigkeitsversicherungen berichtet. Nun gibt es ein "Nachfolgewerk" der Finanztest,
das leider auch nicht besser ausgefallen ist. Da sich nichts Wesentliches geändert hat, ersparen wir uns hier eine allzu ausführliche Beschäftigung mit diesem Machwerk. Stattdessen möchten wir das "Institut für Finanz-Markt-Analyse" INFINMA aus ihrem Newsletter 6/2007 zitieren: "Der Stiftung Warentest ist es auch diesmal gelungen, die Vielzahl an erhobenen Daten in der Ergebnisdarstellung so zu verdichten, dass für den Leser jegliche Detaillierung verloren geht. Mit
insgesamt 26 Produkten, die die Höchstnote „SEHR GUT“ erhalten, wird zudem der Eindruck erweckt, dass man sich aufgrund der Gleichheit der Produkte problemlos für den billigsten Anbieter entscheiden könne. Gerade vor dem Hintergrund der seit dem 22. Mai 2007 geltenden Vermittlerrichtlinie kann die Orientierung an einer Veröffentlichung wie der in Finanztest für Makler und Vermittler fatale Folgen haben. Zunächst sollte darauf hingewiesen werden, dass die
Auswahl der Kriterien, mit deren Hilfe die Versicherungsbedingungen bewertet werden sollen, einer gewissen Willkür nicht entbehrt und wenig aussagekräftig ist. [] Grundsätzlich ist es aus Kundensicht sicher zu begrüßen, wenn inzwischen 26 Produkte mit der Bestnote abschneiden. Allerdings ist festzustellen, dass bei einer solchen großen Anzahl von „Testsiegern“ – ähnlich wie auch bei anderen derartigen Vergleichen – das Qualitätsurteil „SEHR
GUT“ als Auswahlkriterium für das richtige Produkt nur sehr bedingt geeignet ist. Bei einer Darstellung wie in Finanztest liegt zudem die Vermutung nahe, dass der Leser letztlich doch wieder nach dem Preis entscheiden könnte, da der Eindruck erweckt wird, dass die Testsieger eine vergleichbar gute Produktqualität aufweisen würden."
Klare Worte! Und weiter: "Schließlich muss im Hinblick auf die Vermittlerrichtlinie sicher auch einmal die Frage nach dem
jeweiligen Anbieter gestellt werden. Neben Kriterien wie Erfahrung und Know-how im Bereich der Berufsunfähigkeitsversicherung sollte auch die Sicherheitslage des anbietenden Unternehmens nicht völlig ignoriert werden. Ohne einzelne Gesellschaften diskreditieren zu wollen, wird man unter diesem Aspekt sicher eine Allianz anders einschätzen müssen als regional tätige und / oder kleinere (Direkt-) Anbieter. Vor diesem Hintergrund ist es nicht weiter verwunderlich,
dass sich renommierte BUAnbieter wie die Continentale, HDI-Gerling oder die Nürnberger Leben nicht an der Untersuchung beteiligt haben. Dass sich die genannten Gesellschaften mit ihren Produkten qualitativ nicht verstecken müssen, zeigen die Ergebnisse anderer Vergleiche. Insgesamt wirft auch diese Untersuchung der „Warentester“ wieder zahlreiche Fragen auf. Insbesondere ist sie als Entscheidungshilfe für Makler und Vermittler nur sehr bedingt geeignet."
Soweit das Institut für Finanz-Markt-Analyse. Muß man dazu noch irgendetwas sagen? - BHW-Versicherung hört auf zu existieren
Und weiter geht es im munteren Fusionsreigen der Versicherungswirtschaft. Nun hat es die BHW-Lebensversicherung erwischt. Diese war bis vor Kurzem der Lebensversicherer der BHW-Bausparkasse. Nachdem die Postbank die BHW
übernommen hat, konnte man dort mit diesem Lebensversicherer nichts wirklich anfangen - schließlich hatte man ja zusammen mit dem TALANX-Konzern (früher HDI) die eigene Tochter "PB-Lebensversicherung". Was also macht man? Man verkauft die BHW-Lebensversicherung sowie den eigenen 50%-Anteil der PB-Lebensversicherung an TALANX. So in der zweiten Juli-Hälfte geschehen. TALANX seinerseits wird nun die BHW-Leben auf die PB-Leben fusionieren, so daß der Name "BHW
Lebensversicherung" in Kürze verschwinden wird. Obwohl die neue PB-Lebensversicherung dann zu 100% der TALANX gehört, ist der exklusive Vertriebspartner für Produkte dieses Unternehmens die Postbank. Dreht es sich auch schon bei Ihnen im Kopf - das Fusionskarussell? - Zusammenschluß VGH und Alte Oldenburger
Schön länger pfeifen es die Spatzen
von der Dächern, nun ist es fix: Die Versicherungsgruppe Hannover (VGH), unter anderem mit der Provinzial Krankenversicherung Hannover am Markt, schließt sich mit der Alte Oldenburger Krankenversicherung zusammen. Dabei aber soll zunächst alles beim Alten bleiben - das heißt, die bisherigen Marken und Vertriebswege bleiben bestehen.
5. Renten- und Sozialversicherungsnews - Wahltarife kein Schlager?
Seit vier Monaten müssen die Gesetzlichen Krankenkassen die sogenannten "Wahltarife" für ihre Versicherten anbieten. Damit sollen diese die Möglichkeit haben, Geld zu sparen oder Mehrleistungen in Anspruch zu nehmen.
Praktisch erwartungsgemäß hält sich das Interesse der Versicherten an diesen Wahltarifen aber sehr im Rahmen. In der Zeitschrift "Capital" äußert sich dazu Jürgen Wasem, Professor für Medizinmanagement an der Universität Duisburg/Essen: "Die Tarife dienen vor allem dazu, junge, gesunde Versicherte bei Laune zu halten. Die meisten Kassen machen nur mit, weil sie befürchten, dass eben jene Kunden sonst zu einem Konkurrenten abwandern, der die
Sparmodelle im Programm hat."
Sehr interessant auch eine Vorgehensweise bei der Kalkulation solcher Wahltarife durch gewisse Kassen, die die "Capital" beschreibt: Normalerweise müssen bei einem Selbstbehaltstarif die Versicherten alle Kosten (z.B. für Arztbesuche) bis zu einer bestimmten Höhe selbst tragen. Dafür zahlen sie einen geringeren Beitrag an ihre Krankenkasse. Einige AOKn aber lassen die Versicherten in ihren Selbstbehaltstarifen nicht die
tatsächlichen Kosten tragen, sondern nur eine Pauschale - die aber laut "Capital" unter den tatsächlichen Kosten liegt! Möglich ist das, da die Genehmigungsbehörde für die Wahltarife nicht wie normalerweise das Bundesversicherungsamt (BVA) ist, sondern die Landesbehörden. Und diese entscheiden eben anders - manchmal auch zum Wettbewerbsvorteil einer Krankenkasse zu Lasten der anderen Mitglieder sowie des kassenübergreifenden Risikostrukturausgleichs (aus dem die AOKn erhebliche
Mittel erhalten). - Sozialversicherung hat 3,4 Mrd. EUR Defizit
Das Statistische Bundesamt hat kürzlich wieder Zahlen veröffentlicht - diesmal über die Lage der deutschen Sozialversicherung. Und die kann man eigentlich nur als dramatisch bezeichnen! Die gesetzliche Sozialversicherung, das sind - Gesetzliche Krankenversicherung
- Gesetzliche Pflegeversicherung - Gesetzliche Rentenversicherung - Gesetzliche Arbeitslosenversicherung - Gesetzliche Unfallversicherung - Alterssicherung für Landwirte - Bundesagentur für Arbeit, hat alleine im ersten Quartal 2007 ein Minus von 3,4 Mrd. EUR zu verzeichnen! Und das, obwohl die Ausgaben der Bundesagentur für Arbeit um ganze 18,1% wegen der guten Konjunktur zurückgingen! Das Statistische Bundesamt weist aber ausdrücklich darauf hin, daß aufgrund der
starken unterjährigen Schwankungen aus diesen Ergebnissen nicht auf das Gesamtjahresergebnis geschlossen werden darf. Aber natürlich - was ist schon eine Milliarde mehr oder weniger Defizit?
6. Rechts- und Steuernews Bekanntlich steht ja in Deutschland die Reform der Erbschaftssteuer bevor. Da "Reform" erfahrungsgemäß nahezu zwangsläufig eine Verschlechterung der Situation für den steuerzahlenden Bürger bedeutet, ist hier wenig Gutes zu erwarten. Aber auch schon in der aktuellen Situation nutzen viele Bundesbürger
bereits heute die legale Möglichkeit, ihr Erbe statt in Deutschland in Österreich zu versteuern. Ein seit 1954 geltendes Abkommen macht dies möglich. Dieses "Doppelbesteuerungsabkommen" will die deutsche Regierung laut Financial Times Deutschland zum Jahresende 2007 aufkündigen. Der Hintergrund: Österreich beabsichtigt die vollständige Abschaffung der Erbschaftssteuer zum August 2008! Nachdem
viele die Erbschaftssteuer als extrem ungerecht empfinden - schließlich wird bereits versteuertes Geld damit erneut besteuert - erfreute sich diese Österreich-Lösung mit ihren recht niedrigen Steuersätzen gerade bei Vermögenderen ohnehin einer gewissen Beliebtheit. Kommt es nun zu der vollständigen Abschaffung der Erbschaftssteuer dort, wäre eine massive Steuerflucht in den Alpenstaat zu erwarten - und das will die deutsche Bundesregierung natürlich verhindern. Daß sie
Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit "0%-Steuer-Staaten" recht konsequent beendet, hat auch die Kündigung des DBA mit der Steueroase Dubai gezeigt (wir berichteten). Mit einen Ausschlag für die nun erfolgte Ankündigung in Bezug auf Österreich war aber wohl auch, daß die "Austrian Business Agency", eine staatliche Wirtschafts-Ansiedlungsagentur, bei Unternehmern massiv Werbung für Österreich als Land der günstigen Erbschaftssteuer gemacht haben soll. Angesichts der beabsichtigten Änderungen macht es sicherlich Sinn, die
individuelle Situation mit Hilfe eines Steuerberaters intensiv zu prüfen! Denn für die Zukunft ist geplant, daß eine volle Erbschaftsbesteuerung im Ausland nur noch dann möglich ist, wenn man schon länger als fünf Jahre im Ausland lebt und keinerlei Grund- oder Betriebsvermögen sowie keinen Wohnsitz mehr in Deutschland hat. Übrigens: Bei Interesse an Österreich hilft besagte Austrian Business Agency gerne weiter: www.aba.gv.at. 7. Und dann war da noch... ... der 101-jährige, der seine Lebensversicherung überlebt hat! Im Jahr 1929 hatte Karl Wolter aus Hannover bei der uns gut bekannten und heute noch besser denn je existierenden Lebensversicherungsgesellschaft VOLKSWOHL BUND eine Sterbegeldversicherung abgeschlossen. Versicherungssumme waren 1.000 Reichsmark und
einzuzahlen waren 2,20 Reichsmark pro Monat über 20 Jahre (also zusammen RM 538,-). Aus rechtlichen Gründen mußte aber auch eine Sterbegeldversicherung einen Ablauftermin haben, an dem sie spätestens fällig wird. Dieser wurde mit dem Alter 101 auf Mai 2007 festgesetzt - im Jahr 1929 ein vollkommen fiktives Datum, denn die Wahrscheinlichkeit so alt zu werden betrug gerade mal 0,1 Promille! Aber wie man sieht: Auch das unwahrscheinliche Ereignis trat ein und Karl Wolter erlebte dieses Datum. Die Versicherung wurde fällig und nach einer Laufzeit von 78 Jahren ausgezahlt. Die Höhe? Nun, 1.000 Reichsmark wurden im Zuge der Währungsreform 150 D-Mark und dann 77 Euro (von der Versicherung aufgerundet, wie es da üblich war). Da der Vertrag Zinsen erwirtschaftet hat, kamen insgesamt EUR 736,21 zur Auszahlung.
In jeder Hinsicht: Herzlichen Glückwunsch, Herr Wolter! nach oben |